«Aus Zimmer verwiesen»: Lehrer verbieten jetzt «six seven»
Das Trendwort «six seven» artet in Klassenzimmern aus. Lehrpersonen verbannen es in einigen Schulen aus dem Unterricht.
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Das Wichtigste in Kürze
- Jugendliche reagieren in allerlei Situationen mit dem Trendwort «six seven».
- Damit provozieren sie auch Lehrpersonen.
- In Zürcher und Berner Schulen dulden einige Lehrpersonen das Trendwort nicht mehr.
Zwei Zahlen bereiten Schülerinnen und Schülern unheimlich Freude: Die Sechs und die Sieben. Zusammen gibt das im Schülerslang «six seven». Zu bedeuten hat das Trendwort so gut wie nichts.
Auslöser ist ein viraler Hype auf Social Media. Die Zahlenkombination kommt im Song «Doot Doot (6 7)» von US-Rapper Skrilla vor. Zum Meme wurde «six seven» durch Maverick Trevillian.
Sein Video ging durch die Decke. Es zeigt, wie der Bub im Publikum bei einem Basketballmatch «six seven» in die Kamera schreit. Seither ist er bekannt als «67 Kid».
Seither reagieren Jugendliche in Videos auf Social Media in allerlei Situationen mit «six seven». Dazu machen sie eine abwägende Handbewegung oder formen mit den Fingern das Zeichen.
Inzwischen ist der Trend aber ausgeartet.
Frage nur für Gag
Kommt im Mathe-Unterricht die Zahl 67 vor, brechen Schülerinnen und Schüler in vielen Klassenzimmern in Gelächter aus. Auch der Englischunterricht bietet sich für den Running Gag an.
Nau.ch weiss, dass Schülerinnen und Schüler in einer Zürcher Klasse ihre Lehrerin damit provozieren. So fragten sie diese etwa, um welche Zeit sie morgens aufstehe.
Dies nur, damit diese «at six seven» (dt.: «um sechs, sieben») antwortet – und die Klasse in Gelächter ausbrechen kann.
Handzeichen als Ersatz
Einige Lehrpersonen verbieten das Wort nun sogar.
«Meine Lehrerin hat six seven verboten», sagt die siebenjährige Manuela. Sie besucht die Primarschule in der Zürcher Agglo. «Aber die Grossen machen es trotzdem!», kichert sie.
Sie und ihre Freundinnen halten sich ans Verbot und helfen sich derweil mit Handzeichen aus. Dabei halten sie einmal sechs und einmal sieben Finger schnell in die Luft. «Das ist cool!», sagt sie strahlend.
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Auch in einer Oberstufe in Köniz BE reagieren Lehrpersonen mit einem Verbot. «Bei uns werden die Schüler aus dem Klassenzimmer verwiesen, wenn sie während des Unterrichts ‹six seven› sagen!» Dies berichtet eine Schülerin.
In Egg ZH sollen bereits Hort- und Kindergartenkinder angewiesen worden sein, «six seven» nicht zu benutzen.
Auf Anfrage von Nau.ch bestätigen die Schulleitungen die Verbote nicht oder behaupten, dies sei bei ihnen «kein Thema».
Klärender Dialog sei besser
Dem Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) liegen keine statistischen Daten zu spezifischen Wortverboten vor.
Dies teilt Dr. Beat A. Schwendimann mit. Er ist Leiter Pädagogik.
«In der Schweiz ist es üblich, dass Schulen bei störenden Trends hausinterne Richtlinien erlassen», sagt Schwendimann. «Um die Ordnung aufrechtzuerhalten.»
Lehrpersonen haben im Rahmen ihrer pädagogischen Unterrichtsgestaltung das Recht und die Pflicht, die Kommunikation im Klassenzimmer zu steuern.
Dies, damit die Konzentration auf die Lerninhalte gewahrt bleibe, sagt Schwendimann. «Wenn ein Trendwort rein zur Unterbrechung des Unterrichtsflusses missbraucht wird, kann eine Lehrperson die Nutzung temporär einschränken.»
Grundsätzlich sollte laut Schwendimann jedoch Der klärende Dialog über die Angemessenheit von Sprache in verschiedenen Kontexten bevorzugt werden.
Unterricht öfter gestört
Nicht nur das Trendwort bringt Lehrpersonen im Unterricht regelmässig auf die Palme.
Schülerinnen und Schüler trauten sich heute häufiger, mit Spässen den Unterricht zu stören, sagt Schwendimann. «Lehrpersonen müssen signifikant mehr Zeit für die Wiederherstellung der Ordnung aufwenden als noch 2018.»
Dies zeige der «Teaching and Learning International Survey» 2024 der OECD.
Der LCH betont die gemeinsame Verantwortung von Schule und Elternhaus für den Bildungserfolg. «Ein Klassenzimmer ist ein professioneller Lernraum», sagt Schwendimann.
In diesem bildeten gegenseitige Rücksichtnahme und der Respekt vor der Arbeit der Lehrperson und der Mitschülerinnen und Mitschüler die Basis. «Dies sollten Eltern ihren Kindern vermitteln.»













