Aufatmen: Einkaufstouris kriegen Mehrwertsteuer ab 50 Euro zurück
Schweizer Einkaufstouristen müssen nicht tiefer in die Tasche greifen: Deutschland verzichtet auf eine höhere Mindestgrenze für Mehrwertsteuer-Rückerstattungen.

Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland lässt die geplante Erhöhung der Bagatellgrenze von 175 Euro fallen.
- Für Einkaufstouristen bleibt also die Mehrwertsteuer-Rückerstattung ab 50 Euro möglich.
- Der Entscheid ist auch ein Erfolg für den grenznahen deutschen Detailhandel.
Wer regelmässig jenseits der Grenze einkauft, kann vorerst aufatmen: Für Schweizerinnen und Schweizer bleibt beim Shoppen in Deutschland alles beim Alten.
Die deutsche Politik verzichtet darauf, die sogenannte Bagatellgrenze für die Rückerstattung der Mehrwertsteuer anzuheben. Statt 175 Euro gilt weiterhin die Schwelle von 50 Euro pro Einkauf. Das berichtet der «Südkurier».
Das heisst: Wer für mindestens 50 Euro einkauft, kann weiterhin seine Mehrwertsteuer rückerstatten lassen.
Bestätigt wurde der Kurswechsel von prominenter politischer Seite. «Eine Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Schweizer Einkaufskunden erst ab 175 Euro ist vom Tisch.» Das sagte der Konstanzer Bundestagsabgeordnete und Vize-CDU-Parteichef Andreas Jung der Zeitung.
Mehrwertsteuer-Rückerstattung seit Jahren ein Reizthema
Die Mehrwertsteuer-Rückerstattung ist für viele Schweizer ein fester Bestandteil des Einkaufstourismus.
Seit 2020 gilt in Deutschland eine Bagatellgrenze von 50 Euro – erst ab diesem Betrag ist eine Rückforderung möglich. Ziel war es damals, Zoll und Verwaltung zu entlasten.

Auslöser der Debatte war die massive Aufwertung des Frankens ab 2015 nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Euro-Mindestkurs aufzuheben.
Deutsche Waren wurden für Schweizer Konsumenten deutlich günstiger. Die Folgen waren für den Detailhandel auf beiden Seiten der Grenze deutlich spürbar.
Widerstand aus der Grenzregion
Trotzdem riss die Diskussion um eine höhere Wertgrenze nie ab. Vor allem der deutsche Bundesrechnungshof und Haushaltspolitiker drängten auf eine Erhöhung. Noch im Oktober 2025 stand in Berlin der Betrag von 175 Euro im Raum.
Im Grenzgebiet löste das Alarm aus. Wirtschaftsverbände, Kammern und Kommunen liefen Sturm. In einem Schreiben an die Bundesministerien warnten die Wirtschaftskammern vor «Umsatzeinbrüchen im Einzelhandel und weiteren Dienstleistungsbereichen».
Auch Gemeinden meldeten sich zu Wort und warnten vor «gravierenden Folgen für unsere Einkaufsstädte». Die Sorge: Weniger Schweizer Kundschaft würde nicht nur Umsätze kosten, sondern auch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gefährden.
Schweizer Kundschaft als Wirtschaftsfaktor
Wie wichtig die Schweizer Käufer sind, zeigen Zahlen aus Studien: In den südlichsten Regionen Baden-Württembergs stammen rund 30 Prozent der Kundschaft aus der Schweiz. Pro Jahr geben sie dort Waren im Wert von rund 2,5 Milliarden Euro aus. Das sind umgerechnet über 2,3 Milliarden Franken.
Offenbar zeigte der Druck aus Süddeutschland Wirkung. Inzwischen bröckelt auch im Bundestag die Unterstützung für eine höhere Bagatellgrenze. Sowohl bei CDU- wie auch bei SPD-Vertretern im Rechnungsprüfungsausschuss gibt es keine Mehrheit mehr für die Erhöhung.
Sogar eine Abschaffung steht plötzlich im Raum
Auch aus dem deutschen Finanzministerium kommen versöhnliche Signale. In einem Schreiben heisst es, man wolle dem Gesetzgeber vorschlagen, die bestehende Wertgrenze von 50 Euro beizubehalten.
Laut einer weiteren Quelle sei das Ministerium unter bestimmten Umständen sogar «offen für eine künftige Abschaffung» der Bagatellgrenze.
Für Schweizer Einkaufstouristen bedeutet das vorerst Planungssicherheit. Und weiterhin attraktive Einkaufsmöglichkeiten gleich hinter der Grenze.



















