Arbeitgeber-Chef kämpft gegen «Lifestyle-Teilzeit»
Arbeitgeber-Chef Severin Moser kämpft gegen «grundlose» Teilzeitler. Es müsse sich wieder finanziell lohnen, mehr zu arbeiten.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Arbeitgeber-Verband kämpft gegen die «Lifestyle-Teilzeit».
- Wegen des Arbeitskräftemangels müsse man das inländische Potential besser ausschöpfen.
- Severin Moser fordert, dass sich mehr arbeiten wieder finanziell lohnen müsse.
Eine Studie des Arbeitgeberverbands zeigte jüngst, dass es entgegen der landläufigen Annahme nicht die Gen-Z ist, die häufig Teilzeit arbeitet. Sondern die Arbeitnehmenden über 50 Jahre. Wenn sie «grundlos» Teilzeit arbeiten, also keine Betreuungsaufgaben oder gesundheitliche Einschränkungen haben, ist von «Lifestyle-Teilzeit» die Rede. Und dagegen kämpft der Arbeitgeberverband.
In der Medienmitteilung zur Studie war die Rede davon, dass das ungenutzte Potential 86'000 Vollzeitstellen entspreche. Jährlich würden so rund acht Milliarden Franken an Lohn nicht verdient. Zwei bis drei Milliarden an Steuern und Sozialversicherungsabgaben entfallen dadurch.
Gegenüber «SRF» sagt Severin Moser, Präsident des Arbeitgeberverbands: «Es sind vor allem die über 50-Jährigen, die ihr Pensum für mehr Freizeit reduzieren, nicht die Jungen. Wir sprechen von Leuten, die mehr arbeiten könnten, es aber aus freien Stücken nicht tun.»
Er warnt, dass bis in zehn Jahren 500'000 Arbeitskräfte fehlen würden. «Deshalb müssen wir das inländische Potential ausschöpfen.»
Doch in der Schweiz handle es sich um einen Arbeitnehmermarkt. Firmen müssten heutzutage Teilzeit anbieten, um «überhaupt Leute zu finden». Oft seien Stellen bewusst mit 80 bis 100 Prozent ausgeschrieben, um mehr potentielle Bewerber zu haben.
Häufig wird argumentiert, dass die Leute nicht reduzierten, um mehr Freizeit zu haben, sondern wegen der Belastung. Der Arbeitsstress und die emotionale Erschöpfung haben gemäss Studien zugenommen.
«Stress entsteht nicht nur bei der Arbeit»
Severin Moser stimmt zu, dass der Stress zugenommen hat. «Aber er entsteht nicht nur bei der Arbeit. Ein grosser Faktor ist der digitale Stress, die ständige Erreichbarkeit auch im Privaten.» Die wirksame Stressbewältigung sei deshalb wichtiger, als einfach nur das Pensum zu reduzieren.
Viele Arbeitgeber würden bereits etwas dafür tun, so Moser. Als Beispiele nennt er Gesundheitsmanagement oder organisatorische Massnahmen wie Blockzeiten für Sitzungen.
Doch er fordert auch politische Massnahmen: «Mehrarbeit muss sich finanziell wieder mehr lohnen.» Es brauche tiefere Grenzabgaben und weniger Fehlanreize.
Er kritisiert die starke Progression bei den Kita-Tarifen und den Steuern. Diese wirke nicht als Anreiz, um im Erwerbsleben zu bleiben oder das Pensum aufzustocken, so Moser.











