Am Winzerfest trinken Schweizer doppelt so viel Bier als Wein!
Am Weinlesefest in Neuenburg fliesst weniger Wein als erwartet: Immer häufiger greifen Besucher zu Bier, Cocktails und Shots.

Das Wichtigste in Kürze
- Cocktails, Shots und Bier verdrängen am Weinlesefest in Neuenburg NE zunehmend den Wein als bevorzugtes Getränk.
- Laut einem Standbetreiber macht Wein bei ihm nur 20 Prozent des Umsatzes aus.
- Die Kaufkraft der Besuchenden geht zurück.
Das Weinlesefest in Neuenburg NE gilt als eines der grössten Volksfeste der Schweiz. Doch wer denkt, dort werde vor allem Wein getrunken, der irrt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Bier ist längst zur beliebtesten Wahl der Festbesucher geworden, berichtet die Tageszeitung «Arcinfo».

Im vergangenen Jahr wurden am Weinlesefest rund 36'350 Liter Bier ausgeschenkt. Dem gegenüber standen lediglich etwa 15'430 Liter Wein. Das bedeutet: Es wurde mehr als doppelt so viel Bier wie Wein konsumiert.
Diese Zahlen stammen aus dem Armbandpay-System, also dem elektronischen Bezahlsystem mit Armbändern, das am Fest eingesetzt wird.
Cocktails und Shots dominieren viele Stände
Ein Blick auf einzelne Stände zeigt, wie gering der Weinanteil ist. Robin Vanberg vom Wasserskiclub schätzt, dass Wein rund einen Drittel des Umsatzes ausmache. Der Rest entfalle vor allem auf Bier, Cocktails und Shots.
Noch deutlicher ist das Bild beim Stand des Fussballvereins Xamax: Dort mache Wein laut Betreiber Christian Sydler nur etwa 20 Prozent aus, während Bier auf 30 bis 40 Prozent komme.
Sydler beobachtet zudem einen generellen Rückgang des Konsums: «Die Kaufkraft ist deutlich gesunken. Man sieht viele junge Leute, die mit eigenen Getränken herumlaufen», sagt er gegenüber «arcinfo.ch».
Winzer sehen den Imagenutzen im Vordergrund
Patrick Sandoz vom Weingut Sandoz in Neuenburg bleibt optimistisch. Zur Zeitung sagt er: «Ich habe bereits vor Covid einen Rückgang der Beliebtheit von Wein festgestellt – zugunsten von Bier und Cocktails.»
Heute spüre er zwar ein grösseres Interesse an den Veranstaltungen, doch die Kaufkraft sinke.
Das Fest mache für sein Weingut nur rund 1,5 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Dennoch will er den Absatz in diesem Jahr verdoppeln.
Die Winzer können heuer zudem entspannter feiern als in manch früheren Jahren. Der Jahrgang 2026 soll laut Berichten vielversprechend werden.
Auch wenn im Publikum immer häufiger Bier oder Cocktails im Glas landen, bleibt das Weinlesefest sehr wichtig für die Region. Das Fest beginnt heute offiziell und dauert bis zum 27. September.





















