Aggressive Passagiere: SBB-Personal wird zehnmal täglich attackiert
Angriffe, Drohungen und Beleidigungen nehmen im öffentlichen Verkehr zu. Viele Mitarbeitende verzichten trotzdem auf eine Anzeige.

Das Wichtigste in Kürze
- Angriffe und Drohungen gegen ÖV-Mitarbeitende nehmen in der Schweiz zu.
- Bei den SBB kommt es im Schnitt zu zehn Attacken pro Tag.
- Seit Corona berichten ÖV-Betriebe von aggressiverem Verhalten der Fahrgäste.
Angriffe, Drohungen und Beleidigungen gegen Mitarbeitende im öffentlichen Verkehr haben in der Schweiz zugenommen. Bei den SBB kommt es im Durchschnitt zu zehn Attacken pro Tag, wie der «Blick» berichtet.
Mehrere ÖV-Unternehmen berichten seit der Corona-Pandemie von einem aggressiveren Verhalten der Fahrgäste.
Kontrollen führen zu Angriffen
Rechtskräftige Strafbefehle der Bundesanwaltschaft zeigen, dass es bei Kontrollen immer wieder zu tätlichen Angriffen kommt.
Im Juni 2026 verletzte beispielsweise ein 44-jähriger Fahrgast eine Zugbegleiterin, nachdem sie ihm eine Busse ausgestellt hatte.
In einem anderen Fall stiess ein Mann einen Security-Mitarbeiter am Bahnhof Basel und riss an dessen Schutzweste.
Am Bahnhof Winterthur beschimpfte ein 22-Jähriger SBB-Securitys und floh über die Gleise.
Zugbegleiterin erlebt täglich Beleidigungen
Die 53-jährige SBB-Zugbegleiterin Janine Truttmann sagt zur Zeitung: «Ich höre jeden Tag eine Beleidigung.»
Viele Vorfälle würden allerdings nie angezeigt. Als Gründe nennt sie den bürokratischen Aufwand und die Angst davor, dass der eigene Name in den Verfahrensakten erscheint.
Sie selbst war bereits in sechs Strafverfahren involviert. Sie bezeichnet diese als «langwierige Sache», die «Zeit, Mut und Nerven» kosten.
Auch andere Verkehrsunternehmen beobachten eine Verschärfung der Situation.
Postauto Schweiz registrierte 2025 insgesamt 65 Übergriffe gegen Fahr- und Kontrollpersonal. Bis Ende Juli des laufenden Jahres wurden bereits 145 Fälle gemeldet.
Laut einem Sprecher haben insbesondere Drohungen und rassistische Äusserungen zugenommen.















