Im vergangenen Jahr haben vier spezialisierte Beratungsstellen in der Schweiz 174 neue Opfer von Menschenhandel identifiziert.
Der Menschenhändlerring bestand vor allem aus chinesischen Staatsbürgern.
Der Menschenhändlerring bestand vor allem aus chinesischen Staatsbürgern. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz wurden 174 neue Opfer von Menschenhandel identifiziert.
  • Insgesamt wurden über 500 Personen beraten und begleitet.

Im vergangenen Jahr haben vier spezialisierte Beratungsstellen in der Schweiz 174 neue Opfer von Menschenhandel identifiziert. Insgesamt wurden über 500 Personen beraten und begleitet.

«Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs und die Dunkelziffer liegt viel höher», lässt sich Anne Ansermet, Geschäftsführerin der Waadtländer Organisation Astrée, am Dienstag in einer Mitteilung der Schweizer Plattform gegen Menschenhandel zitieren.

Die vier Beratungsstellen der Plattform haben zum ersten Mal eine gemeinsame Statistik erstellt. Es seien die umfassendsten Zahlen, die in der Schweiz zu Personen existieren, die als Opfer von Menschenhandel identifiziert und betreut wurden, heisst es in der Mitteilung.

Die Mehrheit der Opfer sind gemäss der Statistik mit 86 Prozent Frauen. Rund zwei Drittel der Personen wurden in der Prostitution ausgebeutet. Betroffene von Menschenhandel, deren Arbeitskraft ausgebeutet wurde, und Menschenhandel zwecks krimineller Handlungen bilden das restliche Drittel.

Sie wurden etwa in Privathaushalten, in der Gastronomie, in Nagelstudios, im Baugewerbe, und in der Bettelei ausgebeutet oder gezwungen illegale Handlungen, wie Diebstahl, vorzunehmen, wie die Plattform schreibt.

Die häufigsten Herkunftsländer der neu identifizierten Opfer waren demnach im letzten Jahr Rumänien, Nigeria, Kamerun und Ungarn. 40 Prozent der Opfer stammten aus Europa, 40 Prozent aus Afrika und jeweils rund 10 Prozent aus asiatischen und lateinamerikanischen Ländern.

«Ein Drittel der von uns beratenen Personen wurde im Ausland ausgebeutet», lässt sich Doro Winkler, Leiterin Fachwissen und Advocacy der Zürcher Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ, in der Mitteilung zitieren. Diese Personen hätten nach Schweizer Opferhilferecht kein Anrecht auf Unterstützung. Das widerspreche der Europaratskonvention zur Bekämpfung von Menschenhandel, welche die Schweiz unterzeichnet habe.

Aus Sicht von Anna Schmid, Koordinatorin der Schweizer Plattform gegen Menschenhandel, braucht es mehr Ressourcen für eine Sensibilisierung der Institutionen und der Öffentlichkeit über Menschenhandel zwecks Ausbeutung der Arbeitskraft. Denn diese Opfer von Menschenhandel würden oftmals nicht als solche identifiziert.

Der Plattform gehören neben Astrée und FIZ auch die Genfer Organisation Centre Social Protestant (CSP) und die Antenna MayDay SOS Ticino an.

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