Der Tessiner Grosse Rat hat sich eindeutig für die «SBB-Millionen» ausgesprochen. Damit soll die Verlagerung eines SBB-Werks unterstüzt werden.
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Der Tessiner Grosse Rat in Bellizona. (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kanton Tessin gibt 100 Millionen Franken für den SBB-Umzug aus.
  • Mit 58 zu 10 Stimmen ein eindeutiges Resultat.
  • Im Nordosten des Tessins soll bis 2026 die modernste Bahnwerkstätte Europas entstehen.
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Der Tessiner Grosse Rat hat am Dienstag nach langen Debatten mit 58 zu 10 Stimmen bei 12 Enthaltungen entschieden, dass für die Verlagerung der SBB-Industriewerkstätten aus Bellinzona ins benachbarte Arbedo Castone 100 Millionen Franken als Investitionsbeitrag bereitgestellt werden.

Dabei handelt es sich erst um den Grundsatzentscheid. In der Folge setzte das Kantonsparlament die Debatte aufgrund einer Reihe von Abänderungsanträgen fort.

Bis 2026 soll in dem Nordtessiner Dorf Arbedo Castione die modernste Bahnwerkstätte Europas entstehen. Sie soll bis zu 230 hochqualifizierten Beschäftigten Arbeit geben. In den bisherigen, in Bellinzona angesiedelten Werkstätten sind es 350 Arbeitsplätze.

Andere Standorte wie Chiasso oder Bodio wurden von den SBB verworfen. Die Zeit drängt, denn in den neuen Industriewerkstätten sollen die neuen 200 Meter langen Gotthard Giruno Triebzüge und auch die S-Bahnflotte gewartet werden.

«Entscheid mit Bauchschmerzen»

Nicht nur die Reduktion der Arbeitsplätze, sondern auch der Umstand, dass die neuen Wartungsanlagen zur Hälfte in der Landwirtschaftszone entstehen sollen, heizte die Debatte im Parlament an. Man unterwerfe sich der SBB, war ein wiederholt vorgebrachtes Argument.

Einige Parlamentarier erteilten ihrer Unterstützung «nur mit Bauchschmerzen». Der Tessiner Bauernverband droht bereits im Vorfeld mit einem Referendum. Erschwerend kam hinzu, dass SBB-CEO Andreas Meyer sich im vergangenen Herbst in den Medien klar dafür ausgesprochen hatte, dass im Fall eines kantonalen Nein zum Beitrag an die neuen «Officine» die Werkstätten aus dem Tessin abgezogen werden könnten.

Verhältnis zwischen Tessinern und SBB betrübt

Dies traf einen sensiblen Nerv in der Tessiner Bevölkerung, da die Industriewerkstätten einen genuinen Teil der Tessiner Identität darstellen. Nicht umsonst hatte die Bevölkerung im Jahr 2008 einen mehrwöchigen Streik der Bahnarbeiter zum Verbleib der «Officine» im Tessin unterstützt. Seither ist das Verhältnis der Tessiner zur SBB getrübt.

Im Areal der bisherigen Industriewerkstätte nahe des Bellinzoneser Bahnhofs soll ein modernes Stadtquartier mit gemischter Nutzung entstehen. Für dessen Planung hatte die Stadt Bellinzona bereits im vergangenen Oktober 1,5 Millionen Franken und für die neuen Werkstätten in Arbedo Castione 20 Millionen gesprochen.

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