«Wahlplakate sind sichtbares Zeichen unserer Demokratie»
Wahlplakate sind ein sichtbares Zeichen unserer Demokratie – wer sie zerstört, greift die demokratische Auseinandersetzung an.

Wahlkampfzeit im Kanton Bern. Kaum verlässt man die Stadt, stehen sie wieder überall: Wahlplakate. Gesichter, Parolen, Parteifarben. Manchmal kreativ, manchmal unerquicklich, oft ziemlich banal.
Schön sind sie selten. Aber sie sind auch nicht dafür da, schön zu sein. Wahlplakate sind ein sichtbares Zeichen unserer Demokratie. Sie zeigen, dass Menschen kandidieren, dass Ideen konkurrieren und dass am Ende die Bevölkerung entscheidet.
Politik findet nicht im Hinterzimmer statt, sondern öffentlich – auch am Strassenrand.
Gerade deshalb wirkt es so absurd, wenn immer wieder Plakate zerstört werden. Abgerissen, zerkratzt, besprayt oder gleich ganz entfernt. Als könnte man eine politische Meinung einfach vom Laternenpfosten pflücken.
Doch wer Wahlplakate zerstört, bekämpft nicht eine Partei oder eine Kandidatin. Er bekämpft die demokratische Auseinandersetzung selbst.
Demokratie bedeutet nämlich, dass auch die Meinung des politischen Gegners sichtbar sein darf. Selbst dann, wenn sie einem überhaupt nicht passt.
Man muss die Gesichter auf diesen Plakaten nicht mögen. Man darf ihre Politik sogar entschieden ablehnen. Genau dafür gibt es Wahlen.
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Die Antwort auf ein Wahlplakat ist kein Seitenschneider und keine Spraydose. Die Antwort ist ein Stimmzettel. Wer überzeugt ist, gewinnt mit Argumenten – nicht mit Sachbeschädigung.
Wir leben in einem Land, in dem wir wählen, abstimmen und kandidieren können. Wir dürfen unsere Meinung sagen, uns engagieren, uns politisch streiten. Das ist ein grosses Privileg.
In vielen Teilen der Welt wäre allein ein Wahlplakat ein Akt des Widerstands. Vielleicht sollten wir uns das öfter in Erinnerung rufen. Und im Wahlkampf wieder etwas mehr gelten lassen: leben und leben lassen.







