Apropos: Darum geht es bei den Versandkosten wirklich

Andrea Bauer
Andrea Bauer

Bern,

Warum nennen Onlinehändler es «Versandkosten», wenn sie quasi nichts anderes sind als ein raffinierter Strafzoll für alle, die nicht brav genug kaufen?

Apropos Bär
Apropos: Die Kolumne vom BärnerBär. - zVg

Geneigte Leserschaft (wie es Lady Whistledown in «Bridgerton» formulieren würde), heute muss ich mal wieder lästern. Ich werde nämlich furchtbar ungern für dumm verkauft. Umso mehr schätze ich, wenn man mir ehrlich sagt, wo das Problem liegt und welche Lösung man dafür vorgesehen hat.

Da ich ein erwachsener und selbstständig denkender Mensch bin, weiss ich sehr wohl: Jeder Händler, dessen Laden ich betrete, möchte mir möglichst viel verkaufen. «Darf’s dazu noch der passende Deckel sein?».

Heute, im Online-Versandhandel, übernimmt das ein KI-Programm mit der emotionalen Wärme eines Toasters: «Das könnte Ihnen auch gefallen» oder «Andere Kunden kauften auch».

So weit, so nachvollziehbar. Habe ich dann aber zu all den Vorschlägen «nein» gesagt und bin bei meinem einen Produkt im Warenkorb angekommen, das ich tatsächlich brauche, holt Galaxus (und viele andere Online-Versandhäuser auch) zu einem weiteren Trick aus: den Versandkosten.

Post Pakete
Bringe ich selbst ein Paket zur Post, gilt: je grösser und schwerer, desto teurer. - keystone

Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn ich bequem von zu Hause aus einen anderen Menschen damit beauftrage, mir etwas zu bringen, darf das auch etwas kosten.

Der Postbote ist ja kein Elfenwesen, das sich von Dankbarkeit ernährt. Aber darum geht es hier äbe gar nicht. Denn wenn ich zur Springform noch irgendetwas dazu nehme, damit der Betrag die Grenze von 50 Franken erreicht, verschwinden diese «Versandkosten» plötzlich.

Merkwürdig: Bringe ich selbst ein Paket zur Post, gilt: je grösser und schwerer, desto teurer.

Beim Onlinehandel scheint es genau andersrum zu sein: Je mehr ich bestelle, desto weniger kostet es. Als würden zusätzliche Artikel das Paket aktiv leichter machen.

Der Beweis: lasse ich mich zur effektiv benötigten Backform von 39.90 Franken zu weniger dringend benötigten, aber «warum eigentlich nicht»-Filzgleitern für meine Esszimmerstühle hinreissen, wird gratis geliefert.

Kaufst du viel online ein?

Die Überraschung folgt am nächsten Tag: Von Galaxus erreichen mich zwei Sendungen. Eine grössere Schachtel mit der Backform und ein gepolstertes Couvert mit den Filzgleitern.

Echt jetzt? Bitte sagt doch einfach, worum es wirklich geht: «Sorry! Unter 50 Franken ist dein Warenkorb für uns eher ein Flirt als eine Beziehung, darum erlauben wir uns einen kleinen Obolus.»

Das wäre wenigstens ehrlich. Und Ehrlichkeit ist bekanntlich die beste Grundlage für eine langfristige (Kunden-)Beziehung. Denn wenn «Versandkosten» bedeuten, dass ich nur lang genug klicken muss, bis sie verschwinden, dann ist das quasi ein Strafzoll im Trenchcoat und keine Vergütung für anfallende Transportkosten.

Und da der Postbote mir nun sogar zwei Pakete bringen muss, liegt auf der Hand, dass Galaxus mich gerade sehr kreativ belogen hat.

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