Studentlodge Bern: «Wir verwalten über 900 günstige Wohnplätze»
Seit Juli steht Ladina Hagmann an der Spitze von studentlodge.ch. Sie spricht gemeinsam mit Präsident Juerg Stucki über die Pläne des Wohnungsvermittlers.

Seit Anfang Juli führt Ladina Hagmann studentlodge.ch. Sie ist erst die vierte Geschäftsleiterin in der 62-jährigen Geschichte des Vereins, der in Bern über 900 günstige Wohnplätze für Studierende und Menschen in Ausbildung anbietet.
Gemeinsam mit Präsident Juerg Stucki spricht sie über Millioneninvestitionen, Digitalisierung und die Frage, wie Menschen aus aller Welt unter einem Dach zusammenleben.
BärnerBär: Ladina Hagmann, Sie haben Anfang Juli die Geschäftsleitung von studentlodge.ch übernommen. Was haben Sie in Ihren ersten Wochen angetroffen?
Ladina Hagmann: Eine sehr gut funktionierende Organisation mit viel Erfahrung und einer starken Identität. Gleichzeitig stehen grössere Projekte an.
Es geht aber nicht darum, alles neu zu machen, sondern das Bewährte weiterzuführen und dort weiterzuentwickeln, wo es nötig ist.
BärnerBär: Juerg Stucki, so ein Wechsel an der Spitze kommt bei Ihnen nicht oft vor.
Juerg Stucki: Nein, Kontinuität wird bei uns grossgeschrieben. Ladina Hagmann ist erst die vierte Geschäftsleitung in der 62-jährigen Geschichte von studentlodge.ch; ich selbst bin ebenfalls erst der vierte Präsident seit deren Gründung.

Das sagt einiges über unsere Kultur aus. Wir denken langfristig, bei unseren Mitarbeitenden ebenso wie bei unseren Liegenschaften.
BärnerBär: Wo liegen denn die Schwerpunkte der neuen Geschäftsleitung, Ladina Hagmann?
Hagmann: Ein wichtiges Thema ist die Weiterentwicklung der Digitalisierung. Die Website und die Buchungsplattform wurden bereits erneuert. Nun wird auch die gesamte IT-Infrastruktur modernisiert.
Wir verwalten über 900 Wohnplätze und schliessen jährlich rund 2500 Mietverträge ab. Da braucht es effiziente und vor allem verlässliche Systeme.
BärnerBär: 2500 Verträge pro Jahr – wow, weshalb sind es so viele?
Hagmann: Weil die Aufenthaltsdauer sehr unterschiedlich ist. Manche bleiben nur einige Wochen, andere mehrere Jahre.
Viele internationale Studierende kommen nur für ein Semester oder einen Forschungsaufenthalt nach Bern. Freie Zimmer können sie über unsere Plattform anschauen, auswählen und direkt buchen.
BärnerBär: Was wird ihnen geboten, ausser eines blossen Zimmers?
Hagmann: Unsere Zimmer sind möbliert und praktisch all inclusive. Die wesentlichen Nebenkosten und Leistungen sind enthalten. Eigentlich müssen die Bewohnenden nur noch ihre Lebensmittel selbst kaufen.
Die Küchen werden gemeinsam genutzt, ebenso die Nasszellen – wobei hier darauf geachtet wird, dass dies geschlechtergetrennt passiert.
BärnerBär: Juerg Stucki, studentlodge.ch ist nicht einfach ein gewöhnliches Immobilienunternehmen.
Stucki: Nein gar nicht. Wir sind ein steuerbefreiter, nicht gewinnorientierter Verein mit einem klaren sozialen Zweck. Bei uns kann nicht einfach jeder ein Zimmer mieten.
Man braucht eine Legi, einen Lehrvertrag oder einen vergleichbaren Ausbildungsnachweis. Unser Auftrag ist es, jungen Menschen während ihrer Ausbildung bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
BärnerBär: Erhalten Sie dafür Geld von der öffentlichen Hand?
Stucki: Nein, wir finanzieren uns komplett selbst. Wenn wir ein gutes Ergebnis erzielen, wird kein Gewinn an Eigentümer oder Aktionäre ausgeschüttet.
Das Geld bleibt im Verein und fliesst wieder in unsere Häuser und deren Weiterentwicklung. Das ermöglicht es uns auch, grössere Sanierungen langfristig zu stemmen.

BärnerBär: Wo investieren Sie zurzeit?
Stucki: Unter anderem in Bolligen, der Liegenschaft, welche wir kürzlich erwerben konnten. Hier gilt es Gemeinschaftsräume für die Studierenden zu schaffen und die Liegenschaft in Bezug auf Heizung und Stromgewinnung auf einen guten Stand zu bringen.
Das derzeit grösste Projekt ist aber das Tscharnergut. Die Eigentümerschaft saniert etappenweise über rund zwei Jahren alle Zimmer. Das ist eine erhebliche Investition, aber unbedingt notwendig, damit das Haus auch für die nächsten Jahrzehnte attraktiv bleibt.
BärnerBär: Ladina Hagmann, wie soll das Tscharnergut nach der Sanierung aussehen?
Hagmann: Frisch, freundlich und zeitgemäss. Es soll kein anonymes Studentenwohnheim werden. Jeder Stock erhält beispielsweise eine andere Grundfarbe.
Das bringt Orientierung, aber vor allem auch Leben ins Gebäude. Fröhlich, farbig, das passt perfekt zu den Menschen, die dort wohnen und inskünftig wohnen werden.
BärnerBär: Und die kommen aus sehr unterschiedlichen Kulturen. Führt das nicht häufig zu Konflikten?
Hagmann: Davon bin ich ehrlich gesagt auch ausgegangen, als ich hier angefangen habe. Tatsächlich aber gibt es erstaunlich wenig Konflikte, obwohl Menschen aus mehr als 70 Nationen bei uns zusammenleben. Natürlich braucht es klare Hausregeln, die für alle gelten.

BärnerBär: Der interkulturelle Austausch wird somit von den Studierenden geschätzt?
Hagmann: Gerade für internationale Studierende gehört das ja zum Erlebnis dazu. Sie kommen nicht nur wegen der Universität nach Bern, sondern möchten auch etwas von der Schweiz und unserer Kultur kennenlernen.
Gleichzeitig bringen sie ihre eigene Kultur mit. In den Gemeinschaftsküchen und Aufenthaltsräumen entstehen Begegnungen, die man in einer normalen Mietwohnung so vielleicht nicht hätte.
BärnerBär: Bei rund 900 Wohnplätzen dürfte auch der organisatorische Aufwand beträchtlich sein, Juerg Stucki?
Stucki: Wir beschäftigen rund 20 Mitarbeitende. Dazu gehören Verwaltung, Hausleitungen, technischer Dienst und Reinigung. Auch unsere Reinigungskräfte sind direkt bei uns angestellt.
Uns ist wichtig, anständige Löhne zu bezahlen und Verantwortung als Arbeitgeber zu übernehmen. Auch hier haben wir eine hohe Kontinuität, einige Mitarbeitende sind schon bis zu 25 Jahren bei uns.
BärnerBär: Bern gilt aber nicht unbedingt als Studentenstadt. Wie wichtig ist studentisches Wohnen trotzdem?
Stucki: Sehr wichtig. Bern hat rund 150’000 Einwohnerinnen und Einwohner, gleichzeitig studieren etwa 30’000 Menschen an Universität, Fachhochschule und weiteren Bildungsinstitutionen.

Entsprechend gross ist die Nachfrage nach bezahlbarem, unkompliziert verfügbarem Wohnraum. Wir sind deshalb auch strategischer Partner der Universität Bern, da wir mit unseren Häusern attraktive und lebendige Orte der Begegnung für deren Studierende schaffen.
BärnerBär: Was soll studentlodge.ch auch in zehn oder zwanzig Jahren noch auszeichnen?
Hagmann: Dass wir mit der Zeit gehen, ohne unsere Identität zu verlieren. Gute digitale Prozesse, zeitgemässe Häuser mit hoher Auslastung und ein professioneller Betrieb gehören dazu.
Stucki: Und dass der soziale Zweck im Vordergrund bleibt. Wir müssen wirtschaftlich arbeiten, damit wir unsere Häuser erhalten und weiterentwickeln können. Aber wir sind nicht auf Renditemaximierung ausgerichtet.
Das Ziel bleibt dasselbe wie seit über 60 Jahren: Jungen Menschen während ihrer Ausbildung ein gutes und bezahlbares Daheim auf Zeit zu bieten.








