Stadt Bern

Spezielle Anforderungen: Uni Bern sucht Agentur für Geschäftsreisen

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Um sämtlichen Ansprüchen der Mitarbeitenden gerecht zu werden, muss sich die Reiseagentur auch mit Weltgegenden auskennen, wo eigentlich niemand hinreist.

Universität Bern
Die Universität Bern sucht ein Reisebüro, das sich auf der ganzen Welt auskennt. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Universität Bern such eine Agentur für Geschäftsreisen.
  • Diese muss spezielle Anforderungen erfüllen und sich in allen Weltgegenden auskennen.
  • Reiseziele könnten unter anderem auch Wüsten oder der Nordpol sein, heisst es in der Ausschreibung.

Bei über 5000 Vollzeitstellen, verteilt auf über 8000 Personen, scheint es angebracht, dass Geschäftsreisen effizient abgewickelt werden müssen. Die Universität Bern sucht deshalb eine auf Geschäftsreisen spezialisierte Reiseagentur – aber dies soll nicht die einzige Spezialität sein.

Denn die Reisen gehen nicht nur auf griechische Inseln und in europäische Hauptstädte, sondern in die ganze Welt. Wortwörtlich die ganze Welt: Auch dorthin, wo sonst kaum jemand hinreist.

Einmal Nordpol retour bitte

Dass Forschende auch mal eine Reise ins Ausland unternehmen, dürfte nicht weiter überraschen. In der offiziellen Ausschreibung wünscht sich die Uni Bern von ihrer Reiseagentur (natürlich) «professionelle Beratung». Auch «bei Reisen in schlecht erschlossene Gebiete».

Hubertus Fischer Grönland Eisbohrkern
Hubertus Fischer, Professor für Experimentelle Klimaphysik an der Uni BE, posiert mit einer Probe des 2800 Meter langen, über 1,2 Millionen Jahre alten Grönland-Eisbohrkerns, am 15. Januar 2025 in Bern. - keystone

Als Beispiele für schlecht erschlossene Gebiete werden genannt: «z.B. Grönland, Nordpol, Wüsten».

In Grönland holen sich etwa Klimaforschende Bohrkerne aus den Gletschern, um diese zu analysieren. Vergangenes Jahr präsentierte etwa das Forschungs-Team um Hubertus Fischer das älteste jemals geborgene dieser Klima-Archive: Ein 2800 Meter langes, bis zu 1,2 Millionen Jahre altes Stück Gletscher-Eis.

Den Meteoriten «Raja» hat ein omanisch-schweizerisches Team 2024 in der Wüste des Oman gefunden. Die Analyse zeigte, dass er aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter stammt.
Den Meteoriten «Raja» hat ein omanisch-schweizerisches Team 2024 in der Wüste des Oman gefunden. Die Analyse zeigte, dass er aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter stammt. - zvg/NMBE

In die Wüste geschickt hat die Uni Bern in der Vergangenheit dagegen regelmässig den mittlerweile emeritierten Geologen Beda Hofmann. Er hat mehrwöchige Meteoriten-Suchaktionen in der Wüste von Oman durchgeführt. Denn diese Zeugen der Geschichte des Sonnensystems werden in der trockenen Umgebung des Oman besonders gut erhalten.

«All inclusive» der anderen Art

Doch selbst wenn Uni-Bern-Angestellte an «normale» Destinationen reisen, muss die künftige Reiseagentur einiges an Vorgaben beachten. Unter anderem will die Uni Bern alle Reisedaten inklusive der Emissionen in CO2-Äquivalenten erhalten: Denn das bei den Geschäftsreisen ausgestossene CO2 soll kompensiert werden.

Macht es Sinn, dass die Uni-Bern Mitarbeitende in die Wüste oder an den Nordpol schickt?

Ausserdem muss die Agentur jederzeit wissen, wer wo ist: «zum Beispiel für Rückholungen», heisst es in der Ausschreibung.

Denn weitere ausgefallene Reiseziele sind die Kategorie «Krisen- oder Katastrophengebiete». Wie alle anderen Reisen sollen auch diese als «All in one Pakete» organisiert werden.

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