Belper war Peter Liechti TV-Koch und entdeckt jetzt Spitzenrestis

Im Leben des 62-jährigen Belper Peter Liechti läuft immer etwas. Er machte in einer TV-Kochshow mit, ist Wein-Juror und entdeckt Spitzenrestaurants.

Peter Liechti Weinkeller Belp
Brigitta und Peter Liechti in ihrem Weinkeller in Belp. - Daniel Zaugg

Den 62-jährigen Belper Peter Liechti als Hobbykoch zu bezeichnen, ist eigentlich untertrieben, denn er nimmt es mit den Besten auf. So beteiligte er sich 2024 an der bekannten TV-Kochshow «Masterchef» auf 3+ und er ist anerkannter Juror bei namhaften Weinprämierungen wie beim Grand Prix du Vin Suisse. In seinem privaten Weinkeller schlummern gegen 2500 Preziosen.

Selbst der fünfjährige schwarze Kater von Brigitta und Peter Liechti trägt den Namen einer Traubensorte: Pinot Noir. Obwohl diese Rebsorte aus dem Burgund in den Anfängen nicht zu den Favoriten von Peter Liechti zählte. Aber alles der Reihe nach.

Die Küche ist sein Reich

Auf den Geschmack fürs Kochen kam Peter Liechti mit etwa zwölf Jahren und eine seiner ersten Mahlzeiten, die er zusammen mit seiner Grossmutter zubereitete, war eine Omelette. Dabei blieb es dann nicht, Klein-Peter wurde eine wichtige Stütze in Mutters Küche und schon bald wagte er sich selbstständig an die Rezepte von Spitzenköchen heran.

Im achten Schuljahr gründete er mit vier Kollegen eine Kochrunde, wobei er auch dort mit seinem Talent herausragte. Später, als Peter eine Familie gründete, war seine Frau Brigitta für die «Alltagsküche» zuständig. Aber am Wochenende übernahm er jeweils das Zepter am Herd.

Während die Tochter seine mehrgängigen Gourmet-Menüs zu schätzen wusste, zeigte sich der Sohnemann im Kindesalter etwas skeptischer und fragte: «Papa, warum kochst du immer so vornehm?»

Heute kocht Peter Liechti nicht mehr nach Rezept, sondern nach seinem Gefühl und seinen Vorlieben. Auch plant er keine Menüs, selbst dann nicht, wenn sich Besuch anmeldet.

«Ich kaufe einfach ein und wähle Produkte, die mich ‹anlachen›. Dann wird der Kühlschrank gefüllt und danach entwickelt sich ein Menü», schmunzelt der Hobbykoch.

Peter Liechti Weinkeller Belp
«Ich strebte nicht nach einem bestimmten Rang. Mir reichte die Ehre, mitmachen zu dürfen», sagt Peter Liechti. - Daniel Zaugg

Seine Spezialität, der sogenannte Signature Dish, ist das geräucherte Rüebli-Tatar. Er hackt die Rüebli, dünstet Zwiebeln an und fügt japanische Nori-Blätter hinzu, um den Fischgeschmack zu erzeugen; danach räuchert Peter das Gericht mittels Räucherpistole.

Das Tatar wird mit Meerrettich-Sauce und Federkohl-Chips angerichtet. Da sich sein Sohn und die Schwiegertochter heute vegan ernähren, hat er vermehrt begonnen, pflanzliche Rezepte zu kreieren.

Überhaupt: Tatar – auch Fleisch – bezeichnet Peter Liechti als eines seiner Lieblingsgerichte. «Aber so zubereitet wie im Piemont, nur mit Fleur de Sel, Olivenöl, Pfeffer, wenig Kräuter. Nicht mit Ketchup, Eigelb usw.», ergänzt er.

Der Kochwettbewerb

Nachdem sich Peter Liechti die beiden ersten Staffeln der TV-Kochshow «Masterchef» auf dem Privatsender 3+ angeschaut hatte, fasste er den Entschluss, in der dritten Staffel mitzumachen und meldete sich an.

Und es klappte: Aus über hundert Anmeldungen konnte er sich am Casting mit 32 Personen beteiligen und war schliesslich bei den 16 Kandidatinnen und Kandidaten, die sich den strengen Bedingungen unterzogen und sich unter den Augen der Jury (und der Kamera!) im Kochstudio massen.

Bei der Sequenz «Signature Dish» kredenzte Peter Liechti sein geräuchertes Rüebli-Tatar. Am Schluss belegte er den vierten Platz. Die dreiköpfige Jury bestand aus dem Bündner Sternekoch Andreas Caminada, dem Zürcher Spitzenkoch Nenad Mlinarevic und der Zürcher Köchin und Pâtissière Elif Oskan.

«Ich strebte nicht nach einem bestimmten Rang. Mir reichte schon die Ehre, mitmachen zu dürfen und die Arbeit hinter den Kulissen zu beobachten», blickt Peter Liechti zurück. Indes, ein zweites Mal würde er sich nicht mehr stellen.

Der Leistungs- und Zeitdruck über eine längere Zeitspanne sei extrem gross gewesen, resümiert er. «Man wusste nie, was kommt. Alles, was auf dieser Welt gekocht wird, war möglich. Die Räumlichkeiten und Gewürze waren nicht vertraut. Bei mir in der heimischen Küche sitzen alle Handgriffe.»

Erstaunlicherweise habe er aber die Kameras nicht wahrgenommen, zu sehr sei man mit sich selbst beschäftigt gewesen.

Besuch bei Spitzenköchen

Ein weiteres Hobby, dem sich Gattin Brigitta gerne anschliesst, ist das Entdecken «gesternter» Spitzenrestaurants im In- und Ausland. Eine kostspielige Leidenschaft.

«Früher konnten wir uns das nicht leisten, aber seit die Kinder flügge geworden sind und das Haus verlassen haben, wurde es eher möglich», erläutert Peter Liechti. Den Anfang machte das Ehepaar im Schloss Schauenstein in Fürstenau bei Andreas Caminada (3 Michelin-Sterne).

«Wir waren begeistert», erinnert sich Brigitta Liechti. Der Michelin-Restaurantführer sei ihnen bei der Suche eine verlässliche Hilfe, fügt Peter hinzu.

Welche Restaurants waren bis jetzt von bleibender (guter) Erinnerung? Peter Liechti zählt auf: «Das ‹Oz›, das vegetarische Restaurant – ebenfalls im Schloss Schauenstein – mit 16 Gault&Millau-Punkten.»

Peter Liechti Weinkeller Belp
«Mir bereitet es am meisten Spass, wenn jeder Teller fünf bis zehn Komponenten beinhaltet», so Peter Liechti. - Daniel Zaugg

Weiter erwähnt er das Restaurant «Mirazur» (3 Michelin-Sterne) im südfranzösischen Menton mit Besitzer und Kochkünstler Mauro Colagreco. Aber auch das 2-Sterne-Restaurant von TV-Spitzenkoch Tim Raue in Berlin, wo Peter mit Gattin und Tochter zufällig zwecks Stillen des Hungers «reinplatzte» und erst beim Studium der Speisekarte merkte, dass die drei beim renommierten Starkoch Einkehr hielten.

«Statt des beabsichtigten Tagestellers bestellten wir dann das Menü», lacht Peter Liechti. Aber auch der Schweizer Daniel Humm, der seit mehreren Jahren in New York das 3-Sterne-Restaurant «Eleven Madison Park» betreibt, wurde mit dem Besuch des «Testers» aus Belp beehrt.

«Alles war tadellos gekocht, jedoch etwas minimalistisch angerichtet», beurteilt Peter das Gebotene. «Mir bereitet es am meisten Spass, wenn jeder Teller fünf bis zehn Komponenten beinhaltet. Das kann ich als Einzelmaske bei mir zu Hause nicht realisieren, dafür benötigt man eine Küchenbrigade von 15 bis 20 Mitarbeitenden.»

Als grosses Vorbild in der Spitzengastronomie nennt Peter Liechti den heute 89-jährigen Frédy Girardet, Gründer des gleichnamigen Restaurants in Crissier – heute «Hôtel de Ville» – welches von Franck Giovannini geführt wird.

Was steht noch auf der Bucket List des Ehepaars Liechti? «Zum 20-jährigen Bestehen des Restaurants ‹Mirazur› fahren wir in diesem Jahr nach Menton», antwortet Brigitta Liechti freudig.

Am Anfang stand Veltliner

«Für mich gehören Essen und Wein zusammen», sagt Peter Liechti dezidiert, als wir auf seine weitere Leidenschaft, den Wein, zu sprechen kommen. Seinen ersten Schluck des vergorenen Rebensaftes genoss er als Zwölfjähriger zusammen mit seinem Vater während einer Wanderung auf die Diavolezza.

«Mein Vater bestellte Käse und Veltliner und wies mich an, den Käse zusammen mit dem Wein zu kosten. Ich tat wie geheissen – und war geflasht!», erzählt er. Gegen Ende der Schulzeit durfte er immer sonntags ein Glas Rotwein trinken; so gestalteten sich die bescheidenen Anfänge einer grossen Passion.

Nach seiner kaufmännischen Lehre wünschte er sich einen Weinatlas. Peter erinnert sich an seinen ersten erstandenen Wein: Ein Rosso di Montalcino von Caparzo für 5,50 Franken. So begann auch seine Vorliebe für italienischen Wein.

Das Ehepaar Liechti bereiste danach die Toskana, später auch das Piemont, und liess sich inspirieren. Gibt es einen Lieblingswein oder Lieblingswinzer? «Nein», so die kurze Antwort von Peter Liechti.

Eine Konstante über viele Jahre seien allerdings Erzeugnisse aus dem Bordelais. «In den letzten Jahren sind Pinot Noir-Weine dazugekommen, die ich in jungen Jahren nicht so schätzte.» Er nennt in diesem Zusammenhang die Domaine de la Rochette von Jacques Tatasciore im neuenburgischen Cressier.

In seinem Keller lagern gegen 2500 Flaschen: Alles «grosse Namen»? «Nein, ich kaufe mehrheitlich günstige Weine, das reizt mich am meisten. Mein Credo ist: Möglichst viel Wein in möglichst hoher Qualität für wenig Geld!»

Was bedeutet für den Weinkenner Liechti «günstige Weine»? Er nennt ein Beispiel: den Merlot Galatrone vom Weingut Petrolo aus der Toskana für etwa 90 Franken, im Vergleich zu einem Masseto oder Sassicaia ein «Schnäppchen» …

Persönlich

Peter Liechti wurde 1964 geboren und wuchs in Belp auf. Nach der dreijährigen kaufmännischen Lehre bei der damaligen Galactina & Biomalz AG bildete er sich später weiter zum dipl. Betriebsökonom HWV (heute «Bachelor of Science (FH) in Betriebsökonomie»).

Von 1985 bis 1989 arbeitete er beim Wyhus Belp, danach bei der CTA AG (Klimageräte) in Münsingen. 2001 wurde die Stromversorgungsabteilung durch die Gründung von CTA Energy Systems AG verselbstständigt, wo Peter Liechti als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident tätig ist.

Er ist seit 1990 verheiratet mit Brigitta. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Belp. Peter Liechtis Hobbys sind Wein, Kulinarik, Kochen und Skisport.

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