Baustelle trübt Einnahmen – Bäckerei setzt auf Crowdfunding
Die Bäckerei «Zuckerkuss» stand kurz vor Entlassungen. Hintergrund ist eine Grossbaustelle. Durch Crowdfunding konnte dies jedoch verhindert werden.

Seit August 2025 ist die Ortsdurchfahrt Islikon eine Grossbaustelle. Die Kantonsstrasse wird saniert, Werkleitungen werden erneuert, der Dorfkern ist geprägt von Umleitungen. Die Bäckerei «Zuckerkuss» stand kurz vor Entlassungen, bis der Besitzerin eine Idee kam.
Bei der Dorfbäckerei Zuckerkuss zeigte sich rasch – das Geschäft lebt von Nähe. «Doch es ist stetig runtergegangen», sagt Besitzerin Patricia Bellia-Strässle. Nicht, weil die Kundinnen und Kunden sie vergessen hätten.
Viele hätten schlicht den Weg nicht mehr gefunden oder den Umweg gemieden. «Bei einer Bäckerei zählt dieser kurze Moment. Wenn es zu umständlich wird, fährt man weiter.»
Die Sanierung war lange angekündigt. Schon seit 2020 sei darüber gesprochen worden. Patricia Bellia-Strässle stellt auch nicht infrage, dass die Arbeiten nötig sind.
Die Gemeinde habe informiert, es habe Pläne, Anlässe und Ansprechpersonen gegeben. Trotzdem habe sie das Ausmass unterschätzt. «Ich glaube, das hat niemand so richtig gesehen.»
Die Bäckerei versuchte gegenzusteuern. Es gab Mittagsmenüs für Handwerker. Mit «La Barack» entstand eine zusätzliche Verkaufsstelle, damit Kundschaft trotz Baustelle zu Kaffee, Gipfeli oder Znüni kam.

Die Gemeinde stellte dafür einen Bauwagen zur Verfügung. Doch ein Bauwagen ersetzt keinen normalen Laden.
Lösung oder Entlassung
Irgendwann ging es nicht mehr nur um weniger Umsatz. Es ging um Arbeitsplätze. «Wenn jetzt noch mehr Einbussen kommen, muss ich Leute entlassen», sagte Patricia Bellia-Strässle damals.
Dieser Punkt kam schneller als erwartet. Sie informierte ihr Team, startete parallel als letzter Versuch ein Crowdfunding. Sie teilte den Aufruf zunächst nur in ihrem WhatsApp-Status.
Was dann geschah, überwältigte sie noch heute. Tränen schiessen ihr beim Erzählen in die Augen.
Nach 19 Stunden waren bereits rund 22’000 Franken zusammen, nach 48 Stunden war das Ziel von 33'000 Franken erreicht. «Am Ende kamen über 64’000 Franken zusammen.»
Mehr als 700 Menschen unterstützten die Bäckerei. Dank dieser Hilfe konnte Patricia Bellia-Strässle alle Mitarbeiterinnen behalten. «Die ganze Welle war unfassbar toll», sagt sie. «Ich hätte nie gedacht, dass uns so viele Menschen mittragen.»
Kein Musikgehör vom Kanton
Vor dem Crowdfunding informierte sich die Bäckerin beim Kanton. «Kurzarbeit war in dieser Situation keine Lösung», sagt sie. Denn Kurzarbeitsentschädigung deckt nicht Umsatzausfälle, sondern ausgefallene Arbeitsstunden von Mitarbeitenden.
Bei Zuckerkuss wurde aber weiterhin gearbeitet: gebacken, verkauft, organisiert, improvisiert. Es fehlte nicht an Arbeit, sondern an Kundschaft. Genau diese Lücke macht die Situation für kleine Gewerbebetriebe schwierig.

Zwar kann Kurzarbeit bei behördlichen Massnahmen oder gesperrten Zufahrten grundsätzlich ein Thema sein. Dafür braucht es aber einen anrechenbaren Arbeitsausfall.
Pro Abrechnungsperiode müssen die ausgefallenen Stunden mindestens zehn Prozent der normalen Arbeitszeit ausmachen. Dazu kommt eine genaue Arbeitszeitkontrolle.
Die Inhaberin selbst wäre ohnehin nicht abgesichert, weil Personen mit massgeblichem Einfluss auf den Betrieb keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben. Auch sonst gibt es keine definierte Auffanglösung.
Die Strasse gehört zwar zum kantonalen Netz, doch Umsatzeinbussen wegen erschwerter Erreichbarkeit werden nicht automatisch entschädigt. Für Patricia Bellia-Strässle blieb deshalb das Gefühl, zwischen alle Systeme zu fallen: Der Betrieb ist offen, das Team arbeitet, die Kosten laufen weiter, aber ein wichtiger Teil der Kundschaft bleibt weg. Einen Schuldigen sucht sie nicht.
«Es gibt keinen Bösewicht in diesem Spiel», sagt sie. Dennoch bleibt die Frage, ob das Gewerbe bei grossen Baustellen früher und konkreter mitgedacht werden müsste.
Nicht erst dann, wenn Betriebe öffentlich um Unterstützung bitten müssen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Frauenfelder Nachrichten» erschienen.








