Apropos: «Nur ohne Termin»
PubliBike soll urbane Mobilität einfacher machen – doch was, wenn das Velo genau dann fehlt, wenn man es braucht?

PubliBike ist eigentlich eine grossartige Sache. Ein Velo, wenn man eines braucht, dort abstellen, wo man angekommen ist, und sich nie mehr um einen platten Reifen, eine rostige Kette oder einen gestohlenen Sattel kümmern müssen. Urbane Mobilität, wie man sie sich im 21. Jahrhundert vorstellt.
Es gibt nur einen klitzekleinen, winzigen Haken: Man darf das Velo nicht wirklich brauchen. Wer beispielsweise um 8.30 Uhr einen Termin in der Stadt hat und dafür um 8.15 Uhr mit einem PubliBike im Breitsch losfahren möchte, lebt gefährlich.
Denn stellt man an der Station fest, dass das laut App vorhandene Velo gar nicht vorhanden ist oder sich partout nicht öffnen lässt, hilft auch der Hinweis wenig, man könne ja das Tram nehmen. Das hätte man nämlich zehn Minuten früher wissen müssen.
Jetzt darf man erst einmal zur Haltestelle sprinten, dort knapp das Tram verpassen und schon mal überlegen, wie glaubwürdig «Das PubliBike war schuld» als Entschuldigung klingt.
PubliBike eignet sich deshalb hervorragend für spontane Ausflüge, kleine Abenteuer und Leute, die sagen: «Ich schaue dann mal, wann ich komme.» Für Termine hingegen ist das System eher etwas für Menschen mit Gottvertrauen.
Wer also zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein muss, nimmt sein eigenes Velo, den Bus, das Tram oder das Auto. PubliBike nimmt man dann, wenn das Leben gerade keine Ansprüche stellt.

Nun wurde das Unternehmen an einen englischen Investor verkauft. Laut Berner Zeitung soll sich für uns Kundinnen und Kunden dadurch nichts ändern. Das ist wirklich jammerschade. Denn ein bisschen Änderung wäre durchaus willkommen.
Zum Beispiel diese revolutionäre Idee: An jeder Station stehen Velos. Nicht bloss theoretisch, nicht bloss laut App, sondern physisch. Und unschlagbar wäre das Angebot, wenn sie tatsächlich auch noch funktionieren würden. Das müsste doch heutzutage machbar sein.
Wir leben schliesslich in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz Verkehrsströme analysiert und Nachfrage ziemlich präzise vorhersagen kann. Sie dürfte also durchaus herausfinden, dass am Montagmorgen in der Länggasse mehr Menschen ein Velo brauchen als am Sonntagnachmittag.
Oder dass an einem sommerlichen Badeabend beim Marzili die Nachfrage wesentlich grösser sein dürfte als zur gleichen Zeit am Hauptbahnhof.

Die KI könnte stündlich perfekte Verschiebepläne ausspucken: drei Velos von hier nach dort, fünf von dort nach da, zwei Akkus wechseln, vier Stationen auffüllen. Bleibt nur eine letzte Frage: Wer macht’s?
Vielleicht braucht es am Ende nämlich trotz aller ausgeklügelten Intelligenz noch ein paar ganz echte Menschen aus Fleisch und Blut, die die Velos tatsächlich auf einen Anhänger laden und dorthin bringen, wo die App behauptet, dass sie dort ohnehin schon sind.
Das wäre dann eine echte Innovation: künstliche Intelligenz kombiniert mit natürlicher Zuverlässigkeit.








