«Erhebliche Belastung»: Matte-Leist besorgt um Aarstrasse-Sperrung

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Wegen Bauarbeiten für den Hochwasserschutz stehen lange Bauarbeiten an im Berner Matte-Quartier. Ein Ausbleiben der Kundschaft wird befürchtet.

Aarstrasse Matte-Quartier Hochwasserschutz
Visualisierung des fertigen Zustandes nach Abschluss der Arbeiten an der Aarstrasse. - Tiefbau Stadt Bern

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab nächster Woche bis im Frühling 2028 wird die Aarstrasse im Berner Matte-Quartier gesperrt.
  • Beim Matte-Leist macht man sich grosse Sorgen um einen Rückgang der Kundschaft.
  • Hinzu kommen später noch weitere Bauarbeiten wie die Sanierung der Nydeggbrücke.

Ab Montag, 7. September 2026, ist die Aarstrasse im Berner Matte-Quartier für ganze anderthalb Jahre gesperrt. «Die bevorstehende Bauzeit wird für die Matte eine erhebliche Belastung», sagt der Präsident des Matte-Leists, Guenaël Koepplin, zum BärnerBär.

Lob an Stadt: «Transparent informiert»

Grund für die Sperrung sind ausführliche Bauarbeiten für den Hochwasserschutz im Rahmen der zweiten Etappe. Im Frühling konnte die erste Etappe im Gaswerkareal-Marzili abgeschlossen werden. Nun soll mit einer Ufermauer entlang der Aarstrasse die Matte vor der überschwappenden Aare geschützt werden.

Präsident Matte-Leist Guenaël Koepplin
Guenaël Koepplin ist Präsident des Matte-Leists. - BärnerBär

Gegen den Hochwasserschutz an sich hat man denn im Quartier auch grundsätzlich nichts. Die nun zur Ausführung kommende Lösung beruhe auf einem demokratischen Entscheid, betont Koepplin. «Aus Sicht des Matte-Leists hat die Stadt Bern im Vorfeld sehr gut und transparent informiert», lobt er: Mit der eigens eingerichteten Website, den Informationsveranstaltungen und dem direkten Kontakt zur Projektleitung.

Wie bei jeder Mehrheitsentscheidung beurteilten nicht alle Betroffenen die gewählte Lösung gleich, räumt der Leist-Präsident aber ein. «Manche empfinden den Umfang der Massnahmen als zu weitgehend oder hätten sich eine andere, auch gestalterisch überzeugendere Lösung gewünscht.»

Bleibt die Kundschaft aus?

Belastend werde aber die bevorstehende Bauzeit mit Lärm und erschwerten Zufahrten. Diese träfen sowohl die Wohnbevölkerung wie auch das Gewerbe. «Besonders Sorgen machen wir uns um die Restaurants, Handwerker und kleinen Läden.»

Hochwasserschutz Aarstrasse Matte-Quartier
Der Bauperimeter im Matte-Quartier: In Orange der Hochwasserschutz und Werkleitungssanierungen, das Schwanenmätteli (blass orange) dient als Baustelleninstallationsplatz. Parallel finden Werkleitunssanierungen statt (violett). - Screenshot hochwasserschutz-aare-bern.ch

Gerade von diesen Kleinunternehmen aber lebt die Matte – doch haben diese keine grossen finanziellen Polster. Einen längerfristigen Rückgang der Kundschaft könnten sie nur schwer verkraften, mahnt Koepplin. Denn die Arbeiten an der Aarstrasse sind nicht das einzige Projekt in den nächsten Monaten und Jahren.

Die nächste Etappe beim Hochwasserschutz ist nämlich für 2029 bis 2033 vorgesehen, auch wenn für diese noch keine Baubewilligungen vorliegen. Doch soll die Aarstrasse ab Frühling 2028 in einem provisorischen Zustand verbleiben, weil sie noch als Bauzufahrt dienen soll.

Weitere Bauarbeiten belasten zusätzlich

Bereits fix geplant ist die Sanierung der Nydeggbrücke ab März 2027, also noch während der Arbeiten an der Aarstrasse. Weil dann der Verkehr über die Untertorbrücke umgeleitet wird, befürchtet der Matte-Leist nochmals eine Verschärfung der Situation. «Gleichzeitig werden im Rahmen der Sanierung Parkplätze am Klösterlistutz aufgehoben, was den Parkierungsdruck zusätzlich erhöhen dürfte», so Koepplin.

Hochwasser 2005 Matte-Quartier
Beim Hochwasser 2005 wurde das Matte-Quartier überschwemmt. - hochwasserschutz-aare-bern.ch

Die Forderung an die Adresse der Stadt lautet deshalb: «Eine pragmatische Unterstützung und Lösungen, damit die Erreichbarkeit und die Attraktivität der Matte auch während der Bauzeit möglichst erhalten bleiben.»

Ein besonderes Anliegen des Matte-Leists sei deshalb eine durchgehende ÖV-Anbindung, inklusive eines Busangebots in den Randzeiten. Gerade für ältere Bewohnerinnen und Bewohner sowie Kinder sei dies insbesondere in den Wintermonaten essenziell. Entscheidend sei für den Matte-Leist vor allem eines, sagt Präsident Guenaël Koepplin: «Dass die Stadt auch dann pragmatisch handelt, wenn sich in der Umsetzung unerwartete Probleme zeigen.»

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