Zurbuchen warnt vor geopolitischen Spannungen im Weltraum

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Bern,

Der frühere Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen sieht die Weltraumforschung durch geopolitische Konflikte belastet. Die aktuelle Spaltung der Wissenschaft sei schlimmer als im Kalten Krieg. Hoffnung biete die gemeinsame Suche nach Leben im All.

Thomas Zurbuchen war früher Wissenschaftsdirektor der Nasa. Heute ist er an der ETH Zürich. (Archivbild)
Thomas Zurbuchen war früher Wissenschaftsdirektor der Nasa. Heute ist er an der ETH Zürich. (Archivbild) - KEYSTONE/ANTHONY ANEX

«Das Wettrennen in der Forschung ist eine Projektion der geopolitischen Spannung auf die Wissenschaft», sagte der heute an der ETH Zürich tätige Astrophysiker vor Journalisten anlässlich eines Vortrages an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien.

«Tatsache ist, dass Space heute ein Ort ist, wo Krieg geführt wird», so der Forscher mit Schweizer und US-amerikanischer Staatsbürgerschaft. Der Weltraum spielt bei Kriegen wie dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine eine Rolle. Aber auch im übertragenen Sinne gibt es zwischen grossen Raumfahrtnationen ein Kräftemessen.

Es sei etwa nur eine Frage der Zeit, wann China – mit Blick auf aktuelle Entwicklungen – die USA überhole. «Diese Spannung im Weltraum zerteilt die Wissenschaft auf eine Art und Weise, die ich ehrlich schlimmer finde als während des Kalten Krieges.» Seine Hoffnung sei, «dass wir wieder den Weg zueinander finden», so Zurbuchen.

Das könne sich vielleicht gerade über die notwendige Zusammenarbeit bei der Suche nach Leben im All erfüllen lassen, so der Professor für Weltraumwissenschaften und -technologie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und Leiter der Initiative ETH Zürich Space.

Von 2016 bis 2022 war Zurbuchen Leiter der Wissenschaftsabteilung der Nasa und damit verantwortlich für weit über 100 Missionen mit mehr als 30 Raketenstarts. Auf Zurbuchens Initiative wurde an der ETH Zürich mit dem Wintersemester 2024 ein Master-Studiengang in «Space Systems» gestartet. «Wir haben mit 30 angefangen, sind jetzt so bei 50.» Bei etwa 100 Personen würde man wohl aufhören und kompetitiver werden. Die Nachfrage sei sehr gut – und jüngst auch sehr stark aus den USA gegeben.

Als Nasa-Chef setzte Zurbuchen unter anderem auf die Suche nach fossilem Leben auf dem Mars. Unter ihm erfolgte auch ein Missionsstart zum Roten Planeten, im Rahmen dessen der Mars-Rover «Perseverance» dorthin gelangte. Die Nasa-Mond-Missionen und der jüngste Erfolg von «Artemis 2», dem bemannten Flug um den Erdtrabanten, scheint derzeit wieder die meiste Aufmerksamkeit auf den Mond zu lenken. Ja, meint Zurbuchen, das sei sinnvoll.

Als passionierter Skifahrer zieht er den Vergleich: Die Erkundung von Mond und Mars sei beides «irgendwie Skifahren», aber doch anders – viel gefährlicher. Und man müsse wirklich geübt sein: «Und ehrlich gesagt, bevor man mit dem Helikopter auf dem Berg abgesetzt wird, sollte man auf dem Bügellift ein wenig probieren, bis man das kann.»

Seine Sorge sei nur, «dass es uns auf dem Mond wohl wird». Bei der «Space Station», der Internationalen Raumstation, gebe es viel Positives, was man über die vergangenen drei Dekaden sagen könne, etwa zu internationaler Kooperation, Tausenden von Experimenten etc. «Tatsache ist, wissenschaftlich oder technologisch ist in den letzten zehn Jahren unglaublich wenig aus der Space Station herausgekommen.» Er hoffe, dass man den Mond erfolgreich erkunden würde, dort viel lerne und dann auch weitergehe.

Der im Jahr 1968 geborene Experte habe «das Vorrecht» gehabt, damals im Raum zu sein, als Artemis als Programm erfunden wurde. Als Zeitzeuge des jüngsten Erfolgs meinte er: «Ich bin einer der ältesten Menschen, die keine Erinnerung ans Apollo-Programm haben. Und zum ersten Mal habe ich Menschen in der Nähe des Mondes gesehen. Und was mich begeistert hat, ist eben die internationale Resonanz von dem, dass wir etwas zusammen tun können.»

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