Frust mit Personal – Zürcher Metzger macht dicht
Rafael Kehl schliesst seine Metzgerei in Volketswil ZH nach vier Jahren. Er kämpfte ständig mit personellen Problemen.

Das Wichtigste in Kürze
- «Mir ist die Freude vergangen», sagt Rafael Kehl, Inhaber der Metzgerei Kehl.
- Mitarbeitende der Generation Z und klauendes Personal machten ihm zu schaffen.
- Der Schweizer Fleisch-Fachverband rät bei Personalmangel, Ladenkonzepte zu optimieren.
Wer für die Grillparty bei der Metzgerei Kehl einkaufen will, kehrt mit leeren Händen zurück. Inhaber Rafael Kehl hat den Laden in Volketswil ZH Anfang Mai dicht gemacht.
«Mir ist die Freude vergangen, obwohl ich mir mit der Metzgerei einen Traum erfüllt habe», sagt Kehl zu Nau.ch.
2022 übernahm der 37-jährige Fleischfachmann die Metzgerei von seinem Vorgänger. In diesen vier Jahren kämpfte er ständig mit personellen Problemen. «Dabei wollte ich Arbeitsstellen mit einem guten Arbeitsklima schaffen», sagt Kehl.
«Wollte mir die Arbeitspläne vorschreiben»
Ein Angestellter nach dem anderen sorgte beim Inhaber für Frust. «Ein 25-jähriger Metzger war ziemlich frech», sagt Kehl.
«Er wollte mir die Arbeitspläne vorschreiben und verlangte, dass ich das Team auch mal früher nach Hause schicke.» Sie hätten «auch ein Privatleben», habe dieser gemeint.
Gerechtfertigt fand der Angestellte dies angeblich, da sich Kehl manchmal früher verabschiedete. «Wenn ich nach Hause gehe, um Büroarbeit zu machen, muss ich meinem Team keine Rechenschaft ablegen», sagt Kehl.
Das Verhalten des 25-Jährigen habe auch dessen 33-jährigen Kollegen angesteckt, sagt Kehl. «Dieser war ein guter Mitarbeiter, wurde aber negativ beeinflusst und kündigte später auch.»
«Sie entwendete Fleisch»
Ein 22-jähriger Nachfolger enttäuschte Rafael Kehl nach kurzer Zeit. «Er meldete sich in der Probezeit mehr krank, als dass er arbeitete», sagt Kehl. Deshalb habe er ihm kündigen müssen.
Entlassen musste er auch eine 37-jährige Metzgerin. «Sie entwendete Fleisch.» So habe sie jeweils behauptet, ihr Portemonnaie nicht dabei zu haben und am nächsten Tag zu bezahlen. Ihre Schulden habe sie aber nicht wie versprochen beglichen.
Nach den negativen Erfahrungen entschied der Chef, nur noch über 40-Jährige einzustellen. Aber auch damit endete der Kampf mit personellen Problemen nicht.
Bei einer 53-jährigen Charcuterie-Mitarbeiterin hätten sich private Probleme herausgestellt, sagt Kehl. «Sie arbeitete deshalb nicht mehr konzentriert.» Ihre Arbeitsleistung habe finanzielle Verluste eingebracht. Aus Gründen des Respekts will er keine Details veröffentlichen.
Neue Hoffnungen schöpfte Kehl mit einem 43-jährigen Metzger – allerdings vergeblich. «Nach einem halben Jahr verschlechterte sich seine Arbeitsleistung massiv.» Zudem habe der Betrieb viele Kundenreklamationen erhalten. «Eine Kündigung war unumgänglich.»
«Viele haben keinen Bock»
Am Schluss stand der Inhaber ohne Personal da. «Ab Februar half meine Mutter freitags und samstags aus», sagt Kehl.
Im Januar zog der Metzger die Notbremse. «Ich war nahe an einem Burnout und entschied, im Mai aufzuhören», sagt Kehl.
Er habe keine Lust mehr gehabt, Leute einzustellen. «Viele haben keinen Bock, machen immer krank, wollen nur 80 Prozent arbeiten, aber 100 Prozent verdienen.»
Ähnliche Klagen höre er von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Branchen.
Generation Z brauche Sinnhaftigkeit
Philipp Sax ist stellvertretender Geschäftsführer des Schweizer Fleisch-Fachverbands SFF. Er bestätigt, dass die Suche nach Fachpersonal für Metzgereien eine Herausforderung ist.
«Bei der Generation Z ist Beziehungsarbeit wichtig», sagt Sax. Vorgesetzte müssten nicht nur klare Aufträge geben und Erwartungen formulieren. «Auch sollten sie an ihrem Leben teilnehmen.»

Dies zum Beispiel, indem sie fragten: «Wie geht es dir?», oder sich nach ihrem Wochenende erkundigten, sagt Sax. Beispielsweise könne man gute Prüfungsnoten mit einer Einladung zum Mittagessen belohnen. «Statt sie zu loben.»
Sax: «Die Generation Z kommt nicht zur Arbeit, um Aufgaben abzuarbeiten. Sie muss die Sinnhaftigkeit darin sehen.» Metzgereien wie auch andere Handelsbetriebe müssten nicht nur die Kunden, sondern auch die Angestellten zu ihren «Fans» machen.
Selbstbedienung statt Angestellte
Als Alternative schlägt der SFF den Betrieben vor, das Ladenkonzept zu optimieren.
«Es gibt Metzgereien, die den Selbstbedienungsbereich mangels Personals vergrössert haben», sagt Philipp Sax. Auch gebe es mittlerweile komplett unbediente Geschäfte mit verlängerten Öffnungszeiten. «Die Kundschaft kann abgepackte Produkte selbst scannen oder frische Ware bestellen und im Kühlschrank entgegennehmen.»
Rafael Kehl hat seinen Traum vom eigenen Metzgereibetrieb trotz des Personalpechs nicht aufgegeben. «Vielleicht packt es mich in ein paar Jahren wieder», sagt er.
Die vier Jahre in Volketswil seien lehrreich gewesen. Vielleicht sei er ein zu lieber Chef gewesen. «Würde ich wieder eine Metzgerei aufmachen, wäre ich von Anfang an strenger.»













