Weshalb Bio-Baumwolle immer seltener wird

    Nau forscht
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    Fricktal,

    Vor zehn Jahren kam 80 Prozent der Bio-Baumwolle aus Indien – jetzt ist es noch knapp die Hälfte. Ein Schweizer Projekt soll nun das Desaster abwenden.

    Bio Baumwolle Indien
    Indische Bio-Bäuerinnen testen verschiedene Sorten darauf, ob sie sich für den biologischen Anbau eignen. - Monika Messmer / FiBL

    Das Wichtigste in Kürze

    • Vor zehn Jahren kam 80 Prozent der Bio-Baumwolle aus Indien, jetzt ist es noch die Hälfte.
    • Ein Schweizer Projekt sucht traditionelle Baumwolle, die sich für den Bio-Anbau eignet.

    Kleinbauern von Biobaumwolle in Indien haben ein Problem: Es wird immer schwieriger, an gentechnisch unverändertes Saatgut zu kommen. Weltweit stammt achtzig Prozent der Baumwolle aus gentechnisch veränderten Organismen (GVO) – in Indien sind es gar 95 Prozent.

    Was man auf dem Markt noch findet, sind ältere Sorten – doch bei denen ist noch nicht bekannt, inwiefern sie sich für den biologischen Landbau eignen.

    Eine solche Sorte zu kaufen, ist also für die Biobauern mit einem grossen Risiko verbunden. Wenn es nicht funktioniert, droht der finanzielle Ruin.

    Bio Baumwolle Indien
    Ziel des Projekts ist es, dass Kleinbauern wieder besseren Zugang zu Bio-Baumwolle haben und nicht Abhängig von Grosskonzernen sind. - Monika Messmer / FiBL

    «Obwohl die Nachfrage nach Kleidung aus Bio-Baumwolle steigt, wird es für die Bauern immer schwieriger, diese herzustellen», sagt Monika Messmer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Die Organisation mit Sitz im Aargau möchte dem Problem mit einem Züchtungsprogramm entgegenwirken.

    Welche traditionellen Sorten eignen sich für Anbau?

    Ziel ist es, herauszufinden, welche traditionellen Sorten sich für den biologischen Anbau eignen. Das Spezielle daran: Die Bauern werden bei den Versuchen miteinbezogen. «Seit 2013 wurden fünfzig verschiedene Sorten getestet, die vielversprechendsten wurden auf dem Feld geprüft», sagt Messmer.

    «Jeder beteiligte Landwirt erhielt fünf bis sieben Sorten, die er ernten und beurteilen musste». Mittlerweile sind noch rund zwanzig Sorten im Rennen.

    Textilindustrie übernimmt Verantwortung

    Seit 2017 beteiligt sich auch die Textilindustrie mit fünfzig Prozent an den Kosten des Projekts «Seeding the Green Future». «Das Problem betrifft die ganze Textilkette», sagt Messmer. Denn das Bio-Saatgut kann beim Kontakt mit gentechnisch veränderten Sorten verunreinigt werden.

    Daraus entstehende Kleider können nicht mehr als Bio verkauft werden. «Heute tragen die Landwirte das alleinige Risiko dafür. Doch die Industrie übernimmt mehr und mehr die Verantwortung, weil solche Vorgänge auch ein schlechtes Licht auf sie werfen.»

    Der Vorteil der älteren Baumwollsorten in Indien ist, dass sie weniger Wasser brauchen und nicht so anfällig auf Schädlinge sind. Dafür kann diese Baumwolle bei der Faserqualität noch nicht ganz mit der Amerikanischen Baumwolle mithalten, die vor rund zwanzig Jahren mit Hilfe der Gentechnik gegen Schädlinge gewappnet wurde.

    Baumwollkapselbohrer
    Ein Baumwollkapselbohrer am Werk. - Wiki Commons

    Vor zehn Jahren kam 80 Prozent der weltweit hergestellten Bio-Baumwolle aus Indien – jetzt ist es noch gut die Hälfte. Ob das Projekt «Seeding the Green Future» diese Entwicklung stoppen kann, wird sich zeigen.

    «Das entscheidet der Markt», sagt Monika Messmer. «Unser wichtigstes Ziel ist es aber, dass die Bauernfamilien ihr eigenes, qualitativ hochwertiges Bio-Saatgut züchten und vermehren können und so unabhängig von Saatgutfirmen und Krediten werden.»

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    «Nau forscht»

    Im Rahmen dieser Serie erscheint jeden Sonntag ein exklusiver Beitrag des Wissenschaftsmagazins «higgs».

    Dieser Beitrag wurde verfasst von Roman Rey.

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