Wer Verschwörungen glaubt, hatte ein hartes Leben

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Grossbritannien,

Laut einer Studie glauben Menschen, die ein schweres Leben haben und die Welt als ungerecht ansehen, eher an Verschwörungstheorien. Diese lieferten Erklärungen.

verschwörungestheorien
Menschen, die ein hartes Leben hatten und die Welt als ungerecht wahrnehmen, glauben eher an Verschwörungstheorien. - pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut einer Studie können Schicksalsschläge Menschen zu Verschwörungstheoretikern machen.
  • Voraussetzung dafür ist, dass sie die Welt als ungerecht betrachten.
  • Verschwörungstheorien liefern laut den Forschenden Erklärungen für die Ungerechtigkeit.

Die Erde ist flach, die Mondlandung wurde inszeniert, die Illuminati kontrollieren die Welt: Unzählige Verschwörungstheorien kursieren seit Jahrzehnten. Eine neue Studie zeigt nun einen Faktor auf, der dazu führt, dass man solche Erzählungen eher glaubt: ein hartes Leben.

Forschende der Universitäten von Nottingham und von Cumbria führten Experimente mit rund 1200 Probanden durch. Das Resultat: Wer ein härteres Leben hatte, mehr Elend erlebte und dadurch die Welt als unfair betrachtet, glaubt eher an Verschwörungen.

In einem Experiment wurden die Testpersonen zu Schicksalsschlägen wie Krankheiten, Trauer und Geldnöten befragt. Jene Probanden, die solche Widrigkeiten erlebt haben, gaben eher an, die Welt als unfair zu betrachten. Und sie gaben ebenfalls an, eher an Verschwörungen zu glauben.

Das Resultat einer zweiten Befragung war, dass Opfer von Gewalt eine grössere Ungerechtigkeit wahrnehmen. Das führte dazu, dass sie Verschwörungstheorien eher für wahr halten.

Glaubst du an Verschwörungstheorien?

Studienleiter Daniel Jolley sagt gegenüber der «DailyMail» aber auch: «Viele Menschen haben erhebliche Schicksalsschläge erlitten. Dennoch glauben die wenigsten an Verschwörungstheorien.»

Die Resultate der Studie deuten gemäss dem Sozialpsychologen darauf hin, dass Nöte alleine nicht ausreichen. Entscheidend sei, wie diese die Auffassung der Welt beeinflussten.

Jolley erklärt: «Wenn Menschen aufgrund von Schicksalsschlägen das Gefühl haben, dass die Welt grundsätzlich ungerecht ist, können Verschwörungstheorien an Attraktivität gewinnen.» Er begründet es damit, dass diese Theorien eine Erklärung für die Ungerechtigkeiten bieten.

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Kommentare

User #6478 (nicht angemeldet)

Die einzige Lösungen sind Aufklärung und Aufarbeitung, keine Schuldzuweisungen an jene die kritisch hinterfragen. Die VT-Keule ist nicht geeignet, denn damit wird versucht alles ins Lächerliche zu drehen.

User #2828 (nicht angemeldet)

Sogenannte „Verschwörungstheorien“ hatten im Zuge der Coronakrise Hochkonjunktur und wurden so auch in den Medien bezeichnet. Dabei genügen die Erzählungen, Ideologien und Mythen nicht im Entferntesten dem, was auf wissenschaftlichen Tatsachen basierende Theorien eigentlich auszeichnen. Eine Theorie ist ein Begriff aus der Wissenschaft. Forscherinnen und Forscher bezeichnen damit ein Modell, um bestimmte Tatsachen oder Erscheinungen zu erklären – und zwar wissenschaftlich begründet. Nur umgangssprachlich verstehen wir unter einer Theorie eine unbewiesene These. Mit Wissenschaft hat das aber nichts zu tun. Verschwörungstheorien genügen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht im Entferntesten, denn sie behaupten, dass bestimmte Ereignisse eingetreten sind, weil sich Menschen dazu verschworen haben. Sie legen aber keine Beweise vor, äußern nur Vermutungen – ungeachtet der Tatsache, dass es durchaus Verschwörungen geben kann. Eine Verschwörungstheorie an sich hat also nichts mit einer Theorie zu tun. Der Begriff gibt Propaganda, Desinformation und Lügen nur fälschlicherweise einen wissenschaftlichen Anstrich. Dabei handelt es sich aber je nach Ausprägung um Erzählungen, um Ideologien, Mythen oder Legenden. Und so kann man die Sache auch benennen.

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