Wer spät ins Bett geht, hat höheres Krankheits-Risiko
Nachteulen leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem Frauen sind betroffen. Sie könnten ihre Gewohnheiten aber auch ändern.

Das Wichtigste in Kürze
- Die innere Uhr sagt viel über die Gesundheit eines Menschen aus.
- Wessen innere Uhr so läuft, dass er gerne früh ins Bett geht, der lebt gesünder.
- Alle anderen setzten sich Risiken aus. Frauen noch mehr als Männer.
Wer spät ins Bett geht, riskiert eher, an Herz-Kreislauf-Beschwerden zu erkranken.
Bei Frauen zeige sich der Zusammenhang besonders ausgeprägt. Das heisst es in einer im Fachblatt «Journal of the American Heart Association» veröffentlichten Studie.
Für die Untersuchung war ein Team des Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School aus Boston verantwortlich. Die Forschenden werteten dafür Daten von mehr als 300'000 gesunden Erwachsenen zwischen 39 und 74 Jahren aus.
Für die Herz-Kreislauf-Gesundheit wurde ein Score berechnet, der Ernährung, Bewegung, Schlafgewohnheiten und Nikotinkonsum wie auch Cholesterinwerte, Blutzucker und Gewicht einbezieht.
Nachteulen versus Morgen-Menschen
Acht Prozent der einbezogenen Probanden beschrieben sich als «definitive Abend-Menschen» mit einer späten Ins-Bett-Geh-Zeit wie zwei Uhr nachts. Sie beschrieben zudem einen späten Höhepunkt ihrer Aktivität im Tagesverlauf.
«Definitive Morgen-Menschen» machten 24 Prozent der Stichprobe aus. Der Rest ordnete sich dazwischen ein und wird als Gruppe mit mittlerem Chronotyp bezeichnet.
Chronotyp ist der Fachbegriff für die innere Uhr beziehungsweise den bevorzugten Schlaf-Wach-Rhythmus.
Das Forschungsteam fand heraus: Unter den Nachteulen lag der Anteil derjenigen mit einer allgemein schlechten Herz-Kreislauf-Gesundheit 79 Prozent höher als in der mittleren Gruppe.
Die Forschenden beobachteten die Probanden über einen Zeitraum von rund 14 Jahren. Es zeigte sich, dass Nachteulen ein 16 Prozent höheres Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls hatten als die mittlere Gruppe.
Bei Frauen war der Zusammenhang zwischen dem späten Chronotyp und einer schlechten Herz-Kreislauf-Gesundheit noch stärker ausgeprägt als bei Männern.
Schlechte Ernährung oder Rauchen sind ausschlaggebend
Allerdings scheint nicht der Chronotyp an sich ausschlaggebend für den negativen gesundheitlichen Effekt zu sein. Sondern vielmehr Gewohnheiten, die oft mit dem späten Rhythmus einhergehen.
Studienautor Sina Kianersi erklärt: Bei «Abend-Menschen» stimme die innere Uhr häufiger «möglicherweise nicht mit dem natürlichen Tag-Nacht-Lichtzyklus oder ihrem typischen Tagesablauf» überein.
«Abendmenschen neigen möglicherweise eher zu Verhaltensweisen, die sich auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken können. Wie zum Beispiel schlechtere Ernährung, Rauchen und unzureichender oder unregelmässiger Schlaf.»
Die Gruppe sieht darin gute Nachrichten für die Nachteulen, da sich solche Gewohnheiten ändern lassen.
Auch manche Therapien und Behandlungsansätze könnten sich mit diesem Wissen besser auf die jeweiligen Personen zuschneiden lassen.

















