Eine neue Studie der Universität Bern zeigt die Bereitschaft zur Flugkompensation auf. Anders als bisher angenommen ist sie verschwindend klein.
Kaum ein Reisender bezahlt für die durch einen Flug verursachten Emissionen, wie eine Studie zeigt.
Kaum ein Reisender bezahlt für die durch einen Flug verursachten Emissionen, wie eine Studie zeigt. - sda - KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bereitschaft zur Flugkompensation ist extrem klein.
  • Einer Studie der Uni Bern zufolge beinhalten nur 4,5 Prozent der Buchungen Kompensationen.
  • Forscher meine, es reiche dementsprechend nicht, auf freiwilligen Klimaschutz zu setzen.

Die Bereitschaft, einen Flug zu kompensieren, liegt dramatisch unter den aktuellen CO2-Preisen des EU-Emissionshandelssystems: Im Schnitt bezahlen Passagiere rund einen Franken für die Kompensation einer Tonne CO2.

Dies einer Analyse von 63’520 Buchungen zufolge, die bei einer Schweizer Fluggesellschaft zwischen August 2019 und Oktober 2020 getätigt wurden.

Demnach wollte kaum jemand für die durch den Flug verursachte Treibhausgasemissionen bezahlen: Nur 4,5 Prozent der Buchungen beinhalteten eine Kompensation. Dies berichten Forscher der Universität Bern um Sebastian Berger im Fachmagazin «Global Environmental Change».

Zahlungsbereitschaft liegt tiefer als bisher angenommen

Im Schnitt lag die Zahlungsbereitschaft zwischen 0,95 und 1,27 Euro pro Tonne CO2. Zum Vergleich: Im Dezember 2021 belief sich der Preis für eine Tonne CO2 im europäischen Emissionshandel bei mehr als 90 Euro. Und die «wahren Kosten» dürften gar noch höher sein.

Die Zahlungsbereitschaft von rund einem Euro liegt zudem bis zu fünfzigmal tiefer als frühere Studien vermuten liessen. Der Haken: Diese Studien schauten sich keine tatsächlichen Buchungsdaten an, sondern beruhten auf hypothetischen Bekenntnissen von Studienteilnehmenden.

Freiwilliger Klimaschutz reiche nicht

Die vorliegenden Ergebnisse zeigten, dass es in keiner Weise ausreiche, auf freiwilligen Klimaschutz zu setzen, um die Klimaziele zu erreichen. Das sagte Berger gemäss einer Mitteilung der Universität Bern vom Mittwoch.

Die Studie legte offen, dass die Wahl eines vegetarischen Menüs während des Fluges mit einer höheren Bereitschaft zur Kompensation einherging. Wer Vegi bestellte, kompensierte mit einer rund dreimal höheren Wahrscheinlichkeit als ein Fleischesser. Angesichts der generell geringer Werte ergibt das immer noch eine sehr tiefe Bereitschaft.

Überhaupt keine Rolle spielten hingegen die Länge des Fluges, die Kosten der Kompensation oder das Reiseziel.

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