Unterschätzter Geruchssinn: Duft von gemähtem Gras lockt Störche an

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    Deutschland,

    Weil Vögel keine echten Nasen haben, können sie nicht gut riechen - dachte man. Forschende bewiesen nun aber mit Experimenten mit Störchen das Gegenteil.

    Der Duft von frisch gemähtem Gras lockt Störche an, wie Forschende beobachteten. Die Tiere flogen über 25 Kilometer zu gemähten Wiesen. (Archivbild)
    Der Duft von frisch gemähtem Gras lockt Störche an, wie Forschende beobachteten. Die Tiere flogen über 25 Kilometer zu gemähten Wiesen. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

    Das Wichtigste in Kürze

    • Wie gut können Störche riechen? Besser als bisher angenommen.
    • Dies bewiesen Forschende mit mehreren Experimenten.

    Derzeit kann man vielerorts Weissstörche sehen, die auf abgemähten Wiesen nach Beute wie Schnecken, Fröschen und kleinen Nagetieren suchen.

    Bisher ging man davon aus, dass der Anblick des kurzen Grases oder der Lärm der Mähmaschinen die Vögel anlockt. Nun zeigen Forschende aus Konstanz und Mainz überraschend, dass schon der Duft von gemähtem Gras genügt.

    «Man hat einfach angenommen, dass Vögel nicht gut riechen können, weil sie ja keine richtigen Nasen haben», sagte Erstautor Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz. «Dabei haben sie einen sehr grossen Riechkolben im Gehirn mit vielen Rezeptormolekülen für Duftstoffe.»

    Team beobachtete Storch-Bewegungen

    Daher prüfte das Team gezielt, ob Weissstörche ihren Geruchssinn nutzen. «Meine Vermutung war, dass die Störche auf den intensiven Geruch des frisch geschnittenen Grases reagieren», erklärte Ko-Autor Jonathan Williams vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Dieser typische Geruch stammt von grünen Blattduftstoffen und beruht auf wenigen Molekülen, die auch für Parfüms genutzt werden.

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    Eine Blumenwiese. - keystone

    In der Studie beobachtete das Team Bewegungen der Störche sowohl vom Flugzeug aus als auch über Tiere, die GPS-Sensoren trugen. «Wir mussten zuerst ausschliessen, dass die Störche den Traktor hören oder den Mähvorgang sehen konnten», sagt Wikelski. Daher nahmen sie nur Störche in die Beobachtung auf, die mehr als 600 Meter von der gemähten Wiese entfernt waren und keinen Sichtkontakt hatten.

    Nicht nur Augen, sondern auch Geruchssinn

    Wenn das Mähen begann, flogen nur Störche zur betreffenden Wiese, die sich windabwärts aufhielten. Artgenossen, die sich windaufwärts befanden, reagierten nicht. Auch wenn das Team auf einer schon früher gemähten Wiese frisch gemähtes Gras verteilte, flogen Störche herbei, wie es im Fachblatt «Scientific Reports» schreibt. Selbst eine auf einer Wiese versprühte Lösung aus grünen Blattduftstoffen genügte, und die Störche flogen herbei.

    Das Resultat widerspricht der bisherigen Annahme, Störche würden vor allem die Augen zur Futtersuche nutzen. «Es gab Störche, die von der anderen Seite des Bodensees über 25 Kilometer zu den gemähten Wiesen geflogen sind», erzählt Wikelski. Die Forscher vermuten, dass der Geruchssinn auch bei der Futtersuche anderer Vogelarten eine grosse Rolle spielen könnte. Denn auch Greifvögel wie Bussarde und Rotmilane steuern gerne frisch gemähte Wiesen an.

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