Experten fordern Dialog statt Sicherheitsbedenken
Vor den Gen-Z-Demos in Deutschland warnte die Politik vor Gewalt und Krawall. Ein Forscher sieht das als falschen Weg, man müsse die Proteste als Chance sehen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Experte fordert mehr Dialog anstatt Sicherheitsbedenken vor Demos.
- Proteste müssten von der Politik als Chance gesehen werden.
- Wegen der Warnungen vor Gewalt gerieten die legitimen Forderungen aber in den Hintergrund.
Als junge Menschen die grossen «Gen-Z-regelt»-Demonstrationen ankündigten, reagierte die deutsche Politik mit Sicherheitsbedenken und Warnungen vor Gewalt. Hintergrund dürften sicherlich auch die Eskalationen in Frankreich gewesen sein.
Ein Protestforscher sieht in dieser Reaktion der Politik aber ein «fatales Signal», wie er gegenüber «Tagesschau24» sagte.
Im Vorfeld der Proteste am Samstag wurde vor Gewalt und Krawallen gewarnt. Tausende Polizisten wurden in zahlreichen Städten aufgeboten. Ladenbesitzer hörten die Warnungen und verbarrikadierten sich.
Doch geschehen war: deutlich weniger als in Frankreich. In einigen Städten kam es zu Ausschreitungen, in Frankfurt auch zu Plünderungen.
Die Gewerkschaft der Polizei sagte, die Proteste hätten sich als «sehr friedlich» herausgestellt, massive Sachbeschädigung habe es keine gegeben.
Die Organisatoren der Demonstrationen wiesen im Vorfeld Vorwürfe der Gewaltbereitschaft zurück. Man wolle ausnahmslos friedlich protestieren.
Dennoch reagierte die Politik mit den Warnungen und den Sicherheitsbedenken. Protestforscher Florian Staudt aber sagt, man müsse die Demonstrationen als Chance begreifen.
Es sollten nicht Sicherheitsbedenken geäussert, sondern ernsthafte Gesprächsangebote unterbreitet werden.
In Frankreich habe die Politik das getan: Als landesweit Hunderttausende Schüler und Studenten auf die Strassen gingen, wurde eine Plattform eingerichtet. So können die Jugendlichen ihre Forderungen direkt an die Regierung bringen.
Für Deutschland sieht Protestforscher Staudt ein «kleines positives Signal»: Die Bildungsministerin habe erste Anzeichen der Dialogbereitschaft mitgeteilt.
Legitime Forderungen geraten in Hintergrund
Die Warnungen und Sicherheitsbedenken der Politik lenken auch den Fokus: So gibt es zahlreiche Berichte in den Medien über verunsicherte Ladenbesitzer vor den Protesten und Bilder von Ausschreitungen. Von den friedlichen Demonstrationen werden kaum Fotos verbreitet.
Das kritisiert auch Protestforscherin Nina-Kathrin Wienkoop in der «Frankfurter Rundschau». Es komme zu einer Verschiebung des Diskurses, in Frankreich war das stark der Fall.
Die legitimen Anliegen der Demonstranten – Behebung der Missstände im Bildungswesen, Massnahmen gegen hohe Lebenshaltungskosten – gerieten in den Hintergrund. «Stattdessen dreht sich die Debatte darum, ob die Protestform an sich legitim ist.»


















