Tierarten teilen einen universellen Sprechrhythmus
Ob Mücke oder Affe: Eine Genfer Studie zeigt, dass fast alle Tiere in einem überraschend ähnlichen Rhythmus kommunizieren. Dahinter steckt wohl eine universelle Eigenart des Gehirns.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten über 2000 Tonaufnahmen von Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Insekten, Reptilien und Fischen, wie die Universität Genf am Donnerstag mitteilte. Um die Sprach-Rhythmen miteinander zu vergleichen, entwickelten sie eine Methode, mit der sich der Takt der Vokalisationen einheitlich berechnen lässt.
Das Ergebnis: Die meisten Arten produzieren ihre Rufe, Gesänge oder anderen akustischen Signale mit einem Tempo von rund zwei bis drei Einheiten pro Sekunde. Eine deutliche Konzentration lag laut der Universität bei einer Frequenz von etwa 2,8 Hertz – also 2,8 akustischen Signalen pro Sekunde. Diese Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Plos Biology» veröffentlicht.
Weder das Körpergewicht, das Lungenvolumen noch die Komplexität des Soziallebens verändern diesen Takt. Auch ob ein Tier im Wasser, in der Luft oder an Land lebt, spielt demnach keine Rolle.
Auch der Mensch bilde hier keine Ausnahme. Zwar sei der menschliche Sprechrhythmus aufgrund der Struktur von Silben, Wörtern und Sätzen etwas höher als der tierische Durchschnitt. In schwierigen Kommunikationssituationen, etwa bei Umgebungslärm oder im Gespräch mit Kleinkindern, verlangsamten Menschen ihre Sprechgeschwindigkeit jedoch spontan.
Die Forschenden vermuten deshalb, dass der Ursprung tiefer liegt. Der gemeinsame Takt entspricht sogenannten Delta-Oszillationen – langsamen Hirnschwingungen, die bei der Verarbeitung zeitlicher Informationen helfen. Demnach könnte sich akustische Kommunikation im Laufe der Evolution an dieses Tempo angepasst haben. Vereinfacht gesagt: Tiere senden Informationen in einem Tempo, das ihr Gehirn besonders effizient verarbeiten kann.
«Dieser gemeinsame Rhythmus spiegelt vielleicht nicht nur wider, wie Gehirne Geräusche verarbeiten; er könnte auch eine Art universelle Synchronisation darstellen, die die Kommunikation zwischen den Arten erleichtert», erklärte Studien-Erstautor Théophane Piette in der Mitteilung.
Neben der Universität Genf waren auch die Universität Zürich und das Pariser Institut Pasteur an der Studie beteiligt.










