Studie: Schifffahrt gefährdet Gesundheit mehr als Strassenverkehr
Laut einer neuen Studie verschmutzt der Schiffsverkehr die Luft stärker als der Strassenverkehr. Besonders stark soll die Verschmutzung durch Kreuzfahrten sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Schiffe stossen mehr gesundheitsschädliche Emissionen aus als der Strassenverkehr.
- Das geht aus einer neuen Studie aus Grossbritannien hervor.
- Sie zeigt auf: Schiffe stossen kleine Metallpartikel aus, die die Lunge angreifen.
Seit Jahren sind sie aus Klima- und Gesundheitsgründen ein Thema: Die vom Verkehr ausgestossenen Emissionen.
Nun zeigt eine neue Studie der University of Southampton in England auf, dass Schifffahrt schädlicher sein könnte als der Strassenverkehr.
Für die Studie untersuchten Forschende zwei Jahre lang Luftproben aus dem Hafen von Southampton. Und die Ergebnisse lassen aufhorchen.
Partikel sind für die Lunge schädlich
Denn: In Hafennähe fanden sich besonders viele ultrafeine Metallpartikel, etwa von Vanadium, Nickel und Kobalt, wie der «Guardian» schreibt.
Labortests mit menschlichen Lungenzellen zeigten daraufhin, dass die Partikel gesundheitsschädlich sind.

Ihre Grösse macht es möglich, dass sie bis in die Lunge gelangen. Dort verstärken sie Entzündungsreaktionen und verringern die Fähigkeiten von Zellen, sich gegen Viren zu wehren.
Emissionen belasten Hafengegenden stark
Besonders schädlich waren dabei Vanadium-Partikel. Auf sie reagierten die menschlichen Lungenzellen am stärksten.
Zudem komme dazu, dass sich die Emissionen nicht verteilen würden. Die Konzentration sei durch den Schiffsverkehr auf die Häfen beschränkt, die von den gesundheitsschädlichen Partikeln stark betroffen seien.
Problematisch werde das am Beispiel Southampton wegen der Nähe zur Stadt (rund 250'000 Einwohnenden). Diese sei von den Schadstoffen in der Luft bei ungünstiger Windlage direkt betroffen.
Kreuzfahrtschiffe besonders schädlich
Prekär sei der schädliche Emissionsausstoss bei Kreuzfahrtschiffen, geht aus der Studie hervor. Denn: Diese stossen mehr Vanadium und Nickel aus.
Ein zusätzliches Problem: Während Frachtschiffe im Hafen ausgeschaltet werden, laufen Kreuzfahrtschiffe auch nach dem Anlegen weiter. Dies, weil auch im Hafen Energie für die Heizung, die Küche und das warme Wasser an Bord gewährleistet werden muss.
So konnte die Studie aufzeigen: An Kreuzfahrt-Terminals und in Häfen, in denen Kreuzfahrtschiffe lagen, nahmen die Metallpartikel in der Luft zu.
Britischer Hafenbetreiber nicht einverstanden
Keine Freude an der Studie hat derweil der britische Hafenbetreiber «Associated British Ports» (ABP). Er verweist auf Bedenken hinsichtlich bestimmter Aspekte der Studie, etwa der Methodik und der Aussagekraft der Ergebnisse.
Zudem stellt ABP klar, man habe bereits Massnahmen zur Luftreinhaltung ergriffen. So gebe es für Kreuzfahrtschiffe beispielsweise die Möglichkeit des Landstroms.
Dieser ermöglicht es Schiffen, ihre Motoren beim Anlegen auszuschalten. Nur: Erst zirka 15 Prozent der Kreuzfahrtschiffe nutzen diese Möglichkeit.



















