Die Corona-Lockdowns haben bei vielen Kindern zu psychischen Problemen geführt. Ein Grossteil davon blieb unbehandelt.
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Masken hängen an Kleiderhaken in einer Grundschule. (Archivbild) - sda - Keystone/ZB/Patrick Pleul

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lockdowns wegen der Corona-Pandemie haben Kindern psychisch geschadet.
  • Fälle von Depressionen, Angstzuständen und Selbstgefährdung haben zugenommen.
  • Viele dieser Fälle von psychischen Problemen wurden nicht behandelt.

Die Politik der Corona-Lockdowns hat einer aktuellen Studie zufolge weltweit zu deutlich mehr Erkrankungen bei Kindern geführt.

Das berichtete die Hilfsorganisation Save the Children am Freitag unter Berufung auf Daten des «Oxford Covid-19 Government Response Trackers». Zugenommen hätten Fälle von Depressionen, Angstzuständen, Einsamkeit und sogar Selbstgefährdung. Berücksichtigt wurden die Umfrageergebnisse von mehr als 13'000 Kindern in 46 Ländern.

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Durch das Coronavirus fehlt vielen Kindern und Jugendlichen der Austausch mit Gleichaltrigen. (Symbolbild) - AFP/Archiv

83 Prozent der Kinder berichteten den Angaben zufolge über einen Anstieg von negativen Gefühlen aufgrund der Pandemie. Diese Gefühle zeigten sich bei der Mehrheit der Kinder (96 Prozent) weitaus stärker, nachdem Schulen bereits 17 Wochen geschlossen waren. In den Industrieländern blieben bis zu 50 Prozent der psychischen Erkrankungen unbehandelt. In den Entwicklungsländern seien es sogar zwischen 76 Prozent und 85 Prozent.

Die Corona-Massnahmen seien wichtig, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. Aber soziale Isolation könne bei Kindern Angst und Depressionen hervorrufen. «Wird hier nicht reagiert, kann es zu Langzeitfolgen kommen – selbst wenn die Beschränkungen aufgehoben werden.» Dies sagte Marie Dahl, Leiterin des Bereichs psychische Gesundheit von Save the Children.

Fehlende Routine schadet Kindern

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 hätten Kinder im Durchschnitt an 184 Tagen unter gesetzlichen Schliessungen oder Einschränkungen gelebt. In einkommensstarken Ländern wie Kanada mussten einige Kinder insgesamt 13 Monate (402 Tage) lang zu Hause zu bleiben. In Europa waren es im Durchschnitt neun Monate. In Indien verbrachten Kinder mindestens 100 Tage zu Hause, wie es weiter hiess.

Aber auch die Unregelmässigkeit des Online-Unterrichts habe gestörte Routinen zur Folge. Dies berichtete Save the Children anlässlich des Welttages für psychische Gesundheit am Sonntag.

Das wirke sich auch auf soziale Interaktionen und ihren Schlaf und somit das Wohlbefinden der Kinder aus. Regierungen seien aufgefordert, der psychischen Gesundheit und dem geregelten Lernen von Kindern während und nach der Corona-Pandemie Priorität einzuräumen. Es müsse auch in sie investiert werden.

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