Schweizer Gletscher starten schlecht geschützt in den Sommer

Keystone-SDA
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Zürich,

Aktuell liegt auf den Schweizer Gletschern weniger Schnee als üblich. Da der Schnee die Gletscher schützt, verheisst das für die Sommermonate nichts Gutes.

gletscher schweiz rückgang
Der Aletschgletscher im Wallis – auch er schmilzt mit rasender Geschwindigkeit ab. - pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Aktuell liegt auf den Schweizer Gletschern weniger Schnee, als Ende des Winters üblich.
  • Für den bevorstehenden Sommer sind die Gletscher somit schlecht geschützt.
  • Es könnte daher zu einer ähnlich heftigen Gletscherschmelze kommen wie 2022 und 2023.

Schlechte Ausgangslage für die Schweizer Gletscher: Landesweit liegt ein Viertel weniger Schnee auf den Gletschern als üblicherweise Ende des Winters.

Auf einigen Gletschern ist die Schneedecke sogar so dünn wie noch nie.

Auf 25 Gletschern hat das Schweizer Gletschermessnetz (Glamos) im April und Mai die Schneemengen gemessen.

«Die Ausgangslage für den Sommer ist schlecht»

Hochgerechnet auf alle Gletscher beträgt das Defizit 25 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2020. Das zeigt Der am Freitag veröffentlichte Messbericht.

Macht es dir Sorgen, dass die Gletscher so rasch schmelzen?

Der Winter 2025/26 reiht sich damit unter die fünf schneeärmsten der vergangenen zwei Jahrzehnte ein. «Die Ausgangslage für den Sommer ist damit schlecht», sagte der Gletscherforscher Matthias Huss der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Eine dünne Schneeschicht im Frühling sei für die Gletscher problematisch: Der Schnee wirke wie eine Schutzschicht und bewahre das darunterliegende Eis vor direkter Sonneneinstrahlung.

Neue Negativrekorde gemessen

Schmilzt diese Schicht früh, ist das Gletschereis der Schmelze früher und länger ausgesetzt.

Hinzu kommt der sogenannte Albedo-Effekt: Dunkles Eis nimmt mehr Sonnenenergie auf als heller Schnee und erwärmt sich dadurch schneller. Das beschleunigt die Gletscherschmelze laut Huss zusätzlich.

Die Schneemengen unterschieden sich je nach Region stark. Am ausgeprägtesten war der Schneemangel in der Südostschweiz.

Auf den Gletschern Pers und Murtèl im Engadin registrierten die Fachleute sogar neue Negativrekorde für die Winter-Massenbilanz.

Sommerstart wie in Extremjahren 2022 und 2023

Auch auf Gletschern im südlichen und östlichen Wallis wie dem Grossen Aletschgletscher lag deutlich weniger Schnee als üblich. Ebenso in der Zentralschweiz und im Tessin.

Nahe an den Durchschnittswerten lagen die Schneemengen hingegen nur im westlichsten Berner Oberland und im westlichen Wallis. Etwa auf den Gletschern Plaine Morte oder Trient.

Klimaschutz-Gesetz
Der Aletschgletscher ist – gemessen an seiner Fläche – der grösste Gletscher der Schweiz. - unsplash

Der Start in den Sommer sei für die Gletscher damit «ziemlich genau gleich» wie in den Extremjahren 2022 und 2023.

Damals führte die Kombination aus wenig Winterschnee und Hitzewellen im Sommer zu Rekordverlusten bei den Gletschern. In den zwei Jahren verloren die Gletscher in der Schweiz 10 Prozent ihres Volumens.

Gletscher geraten wohl «erneut stark unter Druck»

Für Huss ist es überraschend, dass der Winter schon wieder schlecht für die Gletscher ausgefallen ist. Die Winterschneemenge sei nicht unbedingt eine Folge des Klimawandels.

Entscheidend sei hier vor allem, wie viel Niederschlag im Winter gefallen sei. Und bei der winterlichen Niederschlagsmenge sehe man keinen sehr starken Trend über die Zeit.

Sollte mehr gegen das Abschmelzen der Schweizer Gletscher getan werden?

«Das bereitet einem schon Sorgen», so Huss weiter. Entscheidend für die Gletscherschmelze sei zwar am Ende das Wetter im Sommer. Und noch lasse sich nicht sagen, ob der Sommer wieder so extrem werde wie in den vergangenen Jahren.

«Doch zuletzt waren fast alle Sommer aussergewöhnlich warm. Deshalb ist zu befürchten, dass es auch dieses Jahr wieder in diese Richtung geht. Und die Gletscher erneut stark unter Druck geraten», sagte Huss.

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Kommentare

User #1803 (nicht angemeldet)

Die Gletscher werden schmelzen. Alle Gegenmassnahmen sind sinnlos.

User #4672 (nicht angemeldet)

Wichtig wäre auch, dass man das Wasser aus dem geshmolzenen Gletschereis in Stauseen speichert 50% als Trinkwasser reservoir und als 50% Energiespeicher. Stattdessen schaut man zu, wie das Wasser ungenutzt ins Mittelmeer fliesst.

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