Schon nach 47 Sekunden Konzentration sind wir abgelenkt
Unsere Aufmerksamkeitsspanne leidet enorm unter den ständigen Reizen durch Social Media und Co. Im Schnitt bleiben wir gerade einmal 47 Sekunden bei der Sache.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Schnitt bleiben wir 47 Sekunden konzentriert, bevor wir uns ablenken lassen.
- Grund dafür ist die ständige Ablenkung durch zahlreiche Reize.
- Der Zustand in unserem Gehirn lässt sich dabei mit einem überladenen Browser vergleichen.
Das Handy vibriert, eine neue Mail ploppt auf, irgendwo blinkt eine Nachricht. Kaum ist man gedanklich bei der Sache, reisst der nächste Reiz einen wieder heraus.
Diese ständige Ablenkung wird zunehmend zur Belastungsprobe für unser Gehirn. Zu diesem Schluss kommt die US-Psychologin Gloria Mark von der University of California in ihrer Recherche.
Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft, das Ergebnis ist erschreckend: Im Schnitt bleiben wir heute gerade einmal 47 Sekunden bei einer Aufgabe, bevor wir uns ablenken lassen.
«Offene Tabs» im Gehirn
Im Vergleich zu früher zeigt sich dabei ein markanter Unterschied. Einst konnten wir noch rund zweieinhalb Minuten konzentriert an einer Aufgabe bleiben. Mittlerweile ist der Fokus schneller weg.
Was dabei in unseren Köpfen passiert, lässt sich mit einem überladenen Browser vergleichen: Immer mehr «offene Tabs» bleiben bestehen, während man längst schon bei der nächsten Aufgabe ist.
In der Folge wird die Arbeit fehleranfälliger, gleichzeitig sinkt auch unsere Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt, dass es nach einer Unterbrechung im Schnitt 23 Minuten dauert, bis wir wieder die ursprüngliche Konzentration erlangen.
Die Neurowissenschaftlerin Gianna Carla Riccitelli bringt es gegenüber dem Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz, RSI, auf den Punkt: Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, Eine solche Flut an Reizen gleichzeitig zu verarbeiten. Es filtert permanent.
Multitasking ist ein Mythos
Trotzdem hält sich die Vorstellung hartnäckig, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu können. Sogenanntes «Multitasking» funktioniert aber tatsächlich nur eingeschränkt.
«Das Gehirn kann nur dann zwei Dinge gleichzeitig tun, wenn eines davon automatisiert ist», sagt Riccitelli. Sobald beide Aufgaben Aufmerksamkeit verlangen, leidet die Qualität oder es dauert schlicht länger.
Die Gründe für diese ständige Ablenkung sind vielfältig. Stress spielt eine Rolle, ebenso Zeitdruck oder emotionale Belastung. Auch die eigene Stimmung beeinflusst, wie gut wir bei der Sache bleiben.
Dazu kommen äussere Faktoren: Lärm, eine reizüberflutete Umgebung oder die permanente Verfügbarkeit digitaler Inhalte.
Ablenkung als Teil des Systems
Ganz vermeiden lässt sich diese Ablenkung aber ohnehin nicht. Und das ist auch nicht zwingend sinnvoll.
Denn das Gehirn ist anpassungsfähig und kann von bewussten Pausen profitieren. Richtig eingesetzt fördern Unterbrechungen also sogar die Kreativität und Erholung.

















