Todesfälle in Zürich: Jetzt spricht Herzchirurg Maisano über Bericht
Mehrere Todesfälle und schwere Vorwürfe erschüttern das Unispital Zürich. Nun meldet sich Francesco Maisano erstmals zu Wort – und geht zum Gegenangriff über.

Das Wichtigste in Kürze
- Zwischen 2016 und 2020 gab es in der Herzchirurgie in Zürich schwere Verfehlungen.
- Nebst der Übermortalität gab es elf besonders auffällige Todesfälle.
- Im Zentrum der Vorwürfe steht Herzchirurg Francesco Maisano. Nun bricht er sein Schweigen.
Der Bericht des Unispitals Zürich sorgt für Schlagzeilen: Im Zentrum stehen schwere Vorwürfe rund um problematische Eingriffe und mehrere Todesfälle am Universitätsspital Zürich.
Ein Untersuchungsbericht soll Hinweise auf unzureichende Indikationsstellungen sowie fehlerhafte Behandlungen aufzeigen.
Im Fokus steht der Herzchirurg Francesco Maisano. Er leitete die Herzchirurgie der Universität Zürich zwischen 2014 und 2020. Nun äussert sich der Mediziner erstmals ausführlich zu den Vorwürfen – und schlägt zurück.

Gegenüber «Il Fatto Quotidiano» sagt Maisano: «In Zürich hat man nie akzeptiert, dass ein Italiener die Abteilung leitet.» Er berichtet weiter von einem «kulturellen und institutionellen Widerstand», der das «Ergebnis tiefgreifender Dynamiken» gewesen sei, «die es erschwerten, ein geschlossenes Team um eine gemeinsame Vision klinischer Innovation herum aufzubauen.»
Maisano weist Vorwürfe zurück
Maisano deutet an, dass ihm in Zürich wegen seiner Herkunft mit Vorurteilen begegnet worden sei. Das Universitätsspital Zürich hatte ihm zuvor fehlende Führungsstärke und Interessenkonflikte vorgeworfen.
Wörtlich hiess es, die Probleme seien auf die «übereilte Ernennung des damaligen Chefarztes» sowie auf «unzureichende Leitung» zurückzuführen. Vorwürfe, die Maisano entschieden zurückweist.

Im Zentrum der Kritik stehen auch sogenannte innovative Herzverfahren. Laut einem 216-seitigen Untersuchungsbericht der Universität Zürich seien mehrere Eingriffe mit dem «CardioBand»-System problematisch verlaufen.
Bei 44 Implantationen habe es schwere Komplikationen gegeben, darunter Herzinfarkte und Verletzungen von Koronararterien. Zwei Patienten starben. Zudem habe das Verfahren laut Bericht «nur begrenzte Vorteile» gebracht.
Maisano widerspricht auch hier vehement. Die erhöhte Sterblichkeit sei «auf konventionelle chirurgische Eingriffe zurückzuführen» und nicht auf innovative Verfahren.
Der Herzchirurg verteidigt auch die Komplikationsrate der neuen Methode. Von insgesamt 4500 Eingriffen seien nur 44 mit dem CardioBand durchgeführt worden. Die Komplikationsrate von rund zwölf Prozent sei bei neuen Technologien nicht aussergewöhnlich.
«Weiterhin so vorgehen»
Zum Schluss verteidigt Maisano seine Arbeit mit deutlichen Worten: «Ein Chirurg wird an den geretteten Leben gemessen, nicht am Fehlen von Risiken. Ich werde weiterhin so vorgehen.»
Eine unabhängige Untersuchung hat für den Zeitraum eine Übersterblichkeit von 68 bis 74 Patientinnen und Patienten nachgewiesen, wie das Universitätsspital am Dienstag, 5. Mai mitteilte.

Das Spital hat elf besonders auffällige Todesfälle sowie den unangemessenen Einsatz von Medizinprodukten in 13 Fällen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Ermittler sollen prüfen, ob strafrechtlich relevante Verfehlungen vorliegen.
Die Ursachen für die Missstände liegen laut dem Bericht in einem umfassenden Führungsversagen. Der damalige Klinikchef Francesco Maisano sei 2014 überhastet und ohne ausreichende Prüfung seiner Qualifikationen sowie seiner Interessenskonflikte ernannt worden. Zudem habe die damalige Spitaldirektion ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt und Warnsignale zu spät erkannt.








