Schnee-Risse breiten sich schneller aus als angenommen

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Prättigau,

Experimente zeigen, dass sich Risse im Schnee schneller ausbreiten als bisher angenommen. Das ist für die Berechenbarkeit von Lawinen wichtig.

Schneeforschung
Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hat Schneemassen untersucht. - SLF

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung hat Schnee-Risse untersucht.
  • Dabei wurde festgestellt: Die Risse breiten sich schneller aus, als bisher angenommen.
  • Diese Erkenntnis kann bei der Berechenbarkeit von Lawinen helfen.

Schneller als die Theorie erlaubt: Risse in der Schneedecke können sich mit über 100 Metern pro Sekunde ausbreiten, wie Experimente in Davos Platz zeigten.

Diese gemessenen Geschwindigkeiten überschreiten sogar theoretische Grenzen. Die Erkenntnisse könnten die Lawinenvorhersage verbessern, teilte das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) am Mittwoch mit.

Denn: Die Geschwindigkeit, mit der sich ein Riss ausbreite, beeinflusse die Grösse einer Lawine.

Neue Erkenntnisse helfen bei Lawinenvorhersage

Die Forschenden vermuten, dass es bei schnellen Rissen seltener zu einem Rissstillstand kommt, was tendenziell zu grösseren Lawinen führt.

Ein besseres Verständnis dieser Prozesse könnte die Abschätzung der zu erwartenden Lawinengrösse verbessern. Dies ist laut dem SLF sowohl für die Gefahrenstufen im Lawinenbulletin relevant, als auch um die Gefährdung von Objekten abzuschätzen.

Zu der neuen Erkenntnis gelangte das Forschungsteam um den SLF-Wissenschaftler Bastian Bergfeld mit aufwendigen Feldexperimenten in Davos Platz.

Über mehrere Jahre hinweg wurden an einem eigens präparierten Testhang unter kontrollierten Bedingungen Lawinen ausgelöst.

Die Forschenden isolierten dafür Schneefelder und lösten gezielt Brüche aus, deren Ausbreitung sie mit Hochgeschwindigkeitskameras filmten.

Geschwindigkeit viel höher als angenommen

Die Auswertungen zeigten, dass sich die Risse mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Metern pro Sekunde erreichen. Bisher ging die Wissenschaft von Geschwindigkeiten zwischen 20 und 80 Metern pro Sekunde aus.

Die Geschwindigkeit von 130 Metern pro Sekunde liegt auch über der theoretischen Grenze für diesen Vorgang, der sogenannten Scherwellengeschwindigkeit. Laut den Forschenden dürfte die Schwerkraft am Hang für die Beschleunigung verantwortlich sein.

Nimmst du Lawinenwarnungen ernst?

Die Resultate veröffentlichten die Forschenden in der Fachzeitschrift «Nature Communications». Die Experimente fanden unter kontrollierten Bedingungen statt.

Offen ist laut den Wissenschaftlern noch, wie häufig diese schnelle Rissausbreitung in der Natur vorkommt. Auch die genaue Rolle der Schneedeckeneigenschaften in diesem Prozess muss weiter erforscht werden.

Mehr zum Thema:

Kommentare

User #4380 (nicht angemeldet)

Wie ist es mit Feuer? Feuer breitet sich schneller aus als gedacht? Diese Erkenntnis kann bei der Berechenbarkeit von Feuer helfen.😍😎😎

Weiterlesen

Goppenstein
Zug kracht in Lawine
Schnee Lawinen
70 Interaktionen
Lawinen

MEHR AUS GRAUBüNDEN

EHC Arosa
Eishockey
Brand Flims
6 Interaktionen
Flims GR
St. Moritz Autounfall
St. Moritz GR
Personalakten
2 Interaktionen
Chur/Vaduz