Nach Verzögerungen bei der Öffnung einer strategisch wichtigen Küstenstrasse in Libyen ist die Route jetzt für den Verkehr freigegeben. Eine Kommission aus militärischen Vertretern der Konfliktparteien in dem Bürgerkriegsland kündigte die Öffnung an, die jetzt auch der mächtige General Chalifa Haftar absegnete. «Wir gratulieren dem libyschen Volk zu dieser Errungenschaft», sagte Haftar in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache am Freitagabend. UN-Generalsekretär António Guterres sprach einem Sprecher zufolge von einem «entscheidenden Schritt».
Haftars Armee
Die selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) von Haftar bezweifelt die Aufrichtigkeit des Waffenstillstands, den die international anerkannten Regierung Libyens ausgerufen hat. (Archivbild) - dpa

Die Öffnung gilt als wichtiger Punkt auf dem Weg zu einer Entspannung des Konflikts zwischen der Übergangsregierung unter Ministerpräsident Abdul Hamid Dbaiba und Verbündeten Haftars.

In Libyen war nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg ausgebrochen.

Die Schnellstrasse führt in Libyen am Mittelmeer entlang und verbindet unter anderem Misrata im Westen mit dem weiter östlich gelegen Sirte. Von dort führt sie über Bengasi bis in die ägyptische Hauptstadt Kairo. Die für Verkehr und Handel wichtige Strasse war während der im April 2019 begonnen Offensive auf Tripolis, die Haftar angeordnet hatte, geschlossen worden. Die Konfliktparteien hatten sich auf die Öffnung der Strasse im Rahmen eines von den UN vermittelten Waffenstillstands im Oktober geeinigt.

Für die Öffnung wurden tonnenweise Minen entlang der Strasse geräumt. Am Samstag lief der Lieferverkehr dort unter anderem mit Lastwagen laut Augenzeugen normal. Aus Angst vor Sprengsätzen in Strassennähe blieben viele Autofahrer der Strasse aber weiterhin fern.

Guterres rief alle Beteiligten dazu auf, auch die weiteren Vereinbarungen des Waffenstillstands zügig umzusetzen und am 24. Dezember dieses Jahres wie geplant landesweite Wahlen abzuhalten. Unter anderem wegen eines Streits über die verfassungsrechtliche Grundlage für die Wahlen ist derzeit unklar, ob sie Ende des Jahres tatsächlich stattfinden werden.

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