Venedig will bald 50 Euro pro Tag von seinen Touris
Von 5 auf 50 Euro: Venedig will die Touristen stärker zur Kasse bitten. Die Gebühr soll den Massentourismus bremsen und den Erhalt der Stadt finanzieren.

Das Wichtigste in Kürze
- Venedig verlangte 2024 erstmals 5 Euro Eintritt – doch die Touristenmassen blieben.
- Nun soll die Gebühr auf 50 Euro steigen – als neue Bremse gegen den Massentourismus.
- Venedig nutzt die Einnahmen für städtische Dienste und den Erhalt der Lagunenstadt.
Venedig zieht die Notbremse gegen den Massentourismus: Die umstrittene Eintrittsgebühr für Tagesgäste könnte bald von 5 auf satte 50 Euro (46 Franken) steigen.
Die beliebte italienische Stadt will damit vor allem die Besucherströme an besonders überfüllten Tagen bremsen. Das berichtet die britische Tageszeitung «The Guardian».
Der neue Bürgermeister Simone Venturini macht nämlich ernst: Der Stadtrat prüft eine massive Erhöhung der Gebühr. Danach soll der Vorschlag der italienischen Regierung vorgelegt werden.
Venturini, ehemaliger Tourismusdezernent und seit Ende Mai im Amt, hat das Ziel klar formuliert. Wer an absoluten Spitzentagen nach Venedig will, soll künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen. Und sich vielleicht zweimal überlegen, ob sich der Besuch lohnt.
Venturini hofft nun auf die Genehmigung, die Gebühr «an bestimmten Tagen und bei Überschreitung bestimmter Buchungsgrenzen» zu erhöhen.
50 Euro als Touristen-Bremse
Venedig war 2024 die erste Stadt weltweit mit einer solchen Eintrittsgebühr. Damals kostete der Zugang an 29 Spitzentagen je 5 Euro (umgerechnet 4.60 Franken). 2025 wurde die Regelung auf 54 Tage ausgeweitet, 2026 gilt sie bereits an 60 Tagen.
Bezahlt wird online. Danach erhalten Besuchende einen QR-Code, den sie an Eingängen wie dem Bahnhof Venezia Santa Lucia vorzeigen müssen. Ausgenommen sind unter anderem Übernachtungsgäste, Kinder unter 14 Jahren und Einheimische aus der Region Venetien.
Der finanzielle Erfolg war überraschend: Im ersten Jahr spülte die Massnahme rund 2,4 Millionen Euro in die Stadtkasse. Doch als Besucherbremse funktionierte sie kaum – die Zahl der Tagesgäste sank praktisch nicht, so «The Guardian».
«Das einzige wirksame Instrument»
Venturini verteidigt den Vorstoss: «Der Eintrittsbeitrag ist derzeit das einzige wirksame Instrument zur Steuerung der täglichen Besucherzahlen.» Die Einnahmen sollen in städtische Dienstleistungen sowie den Erhalt der einzigartigen Wasserstadt fliessen.
Denn Venedig ist teuer: Der Unterhalt der historischen Stadt kostet laut Venturini jährlich mehr als 100 Millionen Euro (über 92 Millionen Franken).
Venedig gilt als eines der bekanntesten Beispiele weltweit für Overtourismus: Zu viele Besucher auf zu engem Raum belasten Infrastruktur, Umwelt und das Leben der Einheimischen.
Auch andere beliebte Reiseziele reagieren: Barcelona, Amsterdam und Dubrovnik haben bereits Massnahmen gegen den Besucheransturm eingeführt. Nau.ch berichtete bereits über entsprechende Debatten in der Schweiz, etwa rund um beliebte Ausflugsziele im Berner Oberland.





















