Euro-Office will Europas Bürosoftware unabhängiger machen
Euro Office 1.0 will Microsoft und Google Konkurrenz machen. LibreOffice sieht in dem Projekt jedoch einen faktischen Partner von Microsoft.

Die Open-Source-Initiative Euro-Office veröffentlichte laut «IT-Sicherheit.de» am 9. Juni 2026 ihre erste stabile Version 1.0. Das Projekt wurde von einem europäischen Industriekonsortium entwickelt, zu dem unter anderem IONOS und Nextcloud gehören.
Euro-Office basiert auf ONLYOFFICE und ist als souveräne, datenschutzkonforme Alternative konzipiert. Die Software richtet sich gezielt gegen Microsoft 365 und Google Workspace.
Die browserbasierte Suite bietet laut «Ad-hoc-News» Editoren für Dokumente, Tabellen und Präsentationen sowie PDF-Unterstützung. Nutzer können Dokumente in Echtzeit gemeinsam bearbeiten.
LibreOffice sieht Gefahr für digitale Souveränität
Die Document Foundation hinter LibreOffice übt laut «The Register» scharfe Kritik am neuen Projekt. Ihr Vorwurf: Euro-Office werde zum «De-facto-Verbündeten» von Microsofts proprietären Interessen.

Hauptkritikpunkt ist die Entscheidung, standardmässig auf Microsofts Dateiformat OOXML zu setzen. Die Document Foundation warnt laut «Borncity», dadurch werde Microsofts Marktbindung gestärkt statt digitale Souveränität gefördert.
Italo Vignoli von der Document Foundation kritisierte die Bezeichnung von Euro-Office als «erste europäische Open-Source-Büro-Suite». Mit StarOffice, OpenOffice.org und LibreOffice existierten bereits seit 2001 beziehungsweise 2010 vergleichbare Projekte, wie «Der Standard» berichtet.
Kritik an russischen Wurzeln der Softwarebasis
Analysen zeigen laut «Borncity», dass rund 98,6 Prozent der Dokumenten-Engine aus ONLYOFFICE stammen. Da die Codebasis überwiegend von russischen Entwicklern stammt, stellen Kritiker die behauptete vollständige europäische Unabhängigkeit infrage.
Nextcloud kündigte an, der Code werde einer gründlichen Überprüfung unterzogen. Das Ziel ist die Einhaltung europäischer Sicherheitsstandards.
Das Konsortium argumentiert laut «Der Standard», die Priorisierung der Microsoft-Kompatibilität senke die Hürden für Wechselnutzer. Die aktuelle Version unterstützt bereits ODF, eine tiefere Integration sei für den nächsten Entwicklungszyklus geplant.
Euro-Office wird schnell in erste Plattformen integriert
Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung integrierte Nextcloud laut «Borncity» die Suite in Hub 26 Spring. Nutzer können laut «Borncity» zwischen Euro-Office und Collabora Online wählen.

IONOS plant die Integration von Euro-Office bis Spätsommer 2026, XWiki soll im vierten Quartal folgen. Parallel betreibt EUfforic Europe BV mit Office EU einen separaten kommerziellen Hosting-Dienst.
Zum Launch umfasste das Projekt 22 öffentliche Repositories auf GitHub. Das zentrale Dokumenten-Server-Repository verzeichnete mehr als 1400 Stars, so «Borncity».
















