Familienangehörige von Julian Assange wollen dessen Strafverfolgung in den USA verhindern. Sie wenden sich an die deutsche Regierung für Hilfe.
Julian Assange
John Shipton (l.), Julian Assanges Vater, und Gabriel Shipton (r.), Assanges Bruder, hoffen auf Hilfe aus Deutschland. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Strafverfolgung Assanges sei Unrecht, sagen seine Familienangehörigen.
  • Deutschland solle Biden darum bitten, dass dieses Verfahren eingestellt werde.

Familienangehörige des von Auslieferung an die USA bedrohten Wikileaks-Gründers Julian Assange haben von der Bundesregierung rasche Unterstützung verlangt. Kurz vor dem anstehenden G7-Gipfel im bayerischen Elmau appellierten der Vater und der Bruder Assanges an die Regierung, in dem Fall direkt auf die USA zuzugehen. «Die deutsche Regierung sollte Präsident (Joe) Biden gegenüber ihr Besorgnis zum Ausdruck bringen und darum bitten, dass dieses Verfahren eingestellt wird», sagte der Bruder, Gabriel Shipton, am Montag in Berlin.

Deutschland sei ein leuchtendes Beispiel für eine Demokratie. Die Strafverfolgung Assanges sei Unrecht – wenn sie unterstützt werde, sei man gegenüber Unrechtsstaaten nicht mehr glaubwürdig. Assanges Vater John Shipton hält eine klare Stellungnahme der Bundesregierung für nötig. Diese würde Europa aufrütteln, sagte Shipton.

Britisches Innenministerium hat Auslieferung an USA genehmigt

Vergangene Woche hatte das britische Innenministerium mitgeteilt, dass Grossbritannien die Auslieferung Assanges an die USA genehmigt habe. Die US-Justiz will Assange wegen Spionagevorwürfen den Prozess machen. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft. Assange wird vorgeworfen, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen, veröffentlicht und damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht zu haben.

Laut Bundesregierung stehen Assange noch Wege offen. «Der Rechtsweg ist noch nicht erschöpft», bekräftigte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen sowie Abgeordnete der FDP, der Grünen und der SPD forderten in einem gemeinsamen Statement die Bundesregierung auf, sich entschlossener für die Freilassung von Assange einzusetzen. Im Interesse der Pressefreiheit und auch aus humanitären Gründen müsse Assange umgehend freikommen.

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