US-Leihmutter: «Man empfindet es nicht als das eigene Kind»
Die Leihmutterschafts-Debatte läuft derzeit heiss. Eine US-Amerikanerin, die bereits vier Kinder als Leihmutter zur Welt brachte, spricht über den Prozess.

Das Wichtigste in Kürze
- Jens Spahn löste kürzlich eine Leihmutterschafts-Debatte aus.
- Eine US-Amerikanerin, die selbst Leihmutter ist, spricht über den Prozess.
- Sunshine Hanson warnt: «Leihmutterschaft ist nichts, was man im Alleingang organisieren sollte.»
Der Fraktionschef der deutschen Regierungspartei CDU ist kürzlich von seinem Amt zurückgetreten. Dass Jens Spahn das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland durch eine Leihmutter in den USA umging, wurde ihm zum Verhängnis.
Der Fall um Jens Spahn löste eine regelrechte Debatte aus.

Sunshine Hanson (44) kennt das Thema aus eigener Erfahrung. Die US-Amerikanerin hat vier Kinder als Leihmutter zur Welt gebracht. Doch eine genetische Verbindung zu diesen Kindern hat sie nicht.
Mit der «Bild» sprach Hanson, die heute die Organisation «Surrogacy Is» leitet, über ihre Erfahrungen. «Surrogacy Is» setzt sich für die Rechte von Leihmüttern ein.
«Fühlt sich nicht an, als würde man etwas hergeben»
Hanson beschreibt: «Wenn man Eltern nach der Geburt mit ihrem Baby sieht, fühlt es sich nicht an, als würde man etwas hergeben.» Es fühle sich an, als hätte man seine Aufgabe erfüllt.
Doch auch finanzielle Überlegungen spielten bei ihrer Entscheidung eine Rolle. «Mein Mann und ich wollten ein Haus kaufen und die Vergütung machte das möglich.»
Eine Leihmutterschaft hat nämlich auch seinen Preis. Wunscheltern zahlen bis zu 200’000 Dollar – also über 160’000 Franken.
Die Leihmutter selbst erhält je nach Erfahrung zwischen 70'000 und 120'000 Dollar.
Hanson betont, wie wichtig es ist, dass alle Kosten vorab auf einem sogenannten Treuhandkonto hinterlegt werden. Das ist ein Konto, auf das beide Seiten keinen direkten Zugriff haben. So sind Leihmütter geschützt, falls die Vermittlungsfirma oder die Wunscheltern zahlungsunfähig werden.
«Nichts, was man im Alleingang organisieren sollte»
«Leihmutterschaft ist nichts, was man im Alleingang organisieren sollte», warnt die frühere Lehrerin und Mutter zweier eigener Kinder. Ohne spezialisierte Anwälte, Versicherungen und seriöse Vermittler könnten «Elternschaft, Bezahlung und medizinische Kosten schnell zum Risiko werden».
Auch emotional werden Leihmütter geprägt: «Während der Schwangerschaft übernimmt man eine enorme Verantwortung. Man beschützt und umsorgt das Baby – aber man empfindet es nicht als das eigene Kind.»
Als Leihmutter sei sie emotional nicht an das Kind gebunden, sagt Hanson zur «Bild». Ihr Fokus liege auf dem Glück der Wunscheltern. «Man möchte erleben, wie sie am Ende endlich ihr Kind in den Armen halten.»
In der Schweiz ist Leihmutterschaft verboten. Das Fortpflanzungsmedizingesetz untersagt es ausdrücklich, eine Frau als Leihmutter einzusetzen. Wer dagegen verstösst, macht sich strafbar.
Schweizer Paare, die trotzdem über Leihmutterschaft Eltern werden wollen, weichen deshalb oft ins Ausland aus.
Auch in Österreich und Frankreich ist Leihmutterschaft verboten. In Grossbritannien hingegen ist sie unter strengen Bedingungen erlaubt.

















