Bundeskanzler Merz kritisiert: Spahn hat uns spät informiert
Die Debatte um seine Elternschaft mithilfe einer Leihmutter kostete Jens Spahn am Ende das Amt. Nun wird der CDU-Politiker auch von Kanzler Merz kritisiert.

Das Wichtigste in Kürze
- Der deutsche CDU-Politiker Jens Spahn ist am Freitag zurückgetreten.
- Er hatte zuvor seine Elternschaft mithilfe einer Leihmutter in den USA publik gemacht.
- Nun äussert sich auch Bundeskanzler Merz kritisch.
Die Debatte um die Elternschaft von Jens Spahn mithilfe einer Leihmutter in den USA hat den CDU-Politiker schwer getroffen. Die Kritik kam längst nicht mehr nur aus der Opposition, sondern zunehmend auch aus den eigenen Reihen.
Am Freitag zog der 46-Jährige die Konsequenzen: Der Unionsfraktionschef tritt zurück. Das geht aus einem Schreiben an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spart nicht mit Kritik. Spahn habe Partei und Fraktion «erst sehr, sehr spät über das alles informiert», sagte Merz im ZDF-Sommerinterview.
Merz wurde bereits vergangene Woche informiert
«Wir hatten ja alle kaum Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen», sagte Merz. Dass die Reaktionen derart heftig ausfallen würden, habe auch er nicht erwartet.
Als Spahn ihm von seiner Elternschaft erzählt habe, sei ihm vor allem ein Gedanke durch den Kopf gegangen: «Naja, hoffentlich geht er kommunikativ gut damit um.»
Dass Merz bereits Ende vergangener Woche informiert worden war, bestätigen beide Politiker. Nach eigenen Angaben verzichtete der Bundeskanzler jedoch darauf, diese Information innerhalb der CDU weiterzugeben.
Auf die Frage, was ihm nach Spahns Mitteilung als Erstes durch den Kopf gegangen sei, antwortete Merz: «Zunächst einmal das Wohl des Kindes. Ich habe dem Kind viel Glück gewünscht.»
Ob er sich von Spahn persönlich hintergangen fühle, wollte der Kanzler öffentlich nicht beurteilen. «Der Vorgang als solcher ist abgeschlossen, er ist zurückgetreten. Wir akzeptieren und respektieren das.»
«Meine Familie ist mir das Wichtigste»
In seinem Rücktrittsschreiben schlägt Spahn deutlich persönlichere Töne an.
«Meine Familie ist mir das Wichtigste», schreibt der CDU-Politiker. Ihm sei bewusst geworden, dass sein persönliches Glück «nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt».
Der Spagat zwischen seiner privaten Entscheidung und den Erwartungen an einen Fraktionsvorsitzenden sei «grösser geworden, als ich es gedacht hätte».
«Die zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung hat mich sehr nachdenklich gemacht», schreibt Spahn.

















