Am Sonntag treffen russische Raketen, abgefeuert aus Belarus, Kiew. Einen Einstieg von Belarus in den Ukraine-Krieg schliesst ein Experte aber aus.
Ukraine-Krieg
Die letzten Angriffe im Ukraine-Krieg auf Kiew waren Anfang Juni. Seither war es ruhig und Russland konzentrierte sich vor allem auf Teile der Ostukraine. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Belarus wird die Ukraine laut einem Russland-Experten nicht angreifen.
  • Die Bedenken innerhalb der belarussischen Truppen seien viel zu gross.
  • Russland will mit den Raketen-Angriffen gegenüber der EU Macht demonstrieren.

Am Sonntag feuerte die russische Armee mehrere Raketen auf Kiew. Es kam zu Explosionen, auch ein neunstöckiges Wohnhaus und ein Kindergarten wurden getroffen.

Brisant: Die Raketen wurden von Belarus aus auf die ukrainische Hauptstadt geschossen.

Anzeichen, dass nun auch Belarus in den Krieg gegen die Ukraine tritt? Bereits jetzt sollen 4000 belarussische Soldaten an der Grenze bereitstehen.

Ukraine-Krieg: Belarus wird kaum einmarschieren

Ulrich Schmid, Russland-Experte und Professor der Universität St. Gallen, sagt gegenüber Nau.ch. «Ein Einmarsch von belarussischen Truppen in die Ukraine kann zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen werden.»

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Ein im Ukraine-Krieg zerstörtes Gebäude in der Nähe von Kiew.
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Die Raketen wurden von Belarus aus abgefeuert.
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Ein Eintritt von Belarus in den Ukraine-Krieg ist aktuell dennoch unwahrscheinlich. Hier Belarus-Präsident Alexander Lukaschenko (r.) mit Wladimir Putin.
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Russland will mit den Raketen-Angriffen gegenüber der EU Macht demonstrieren.

Grund: «Die Bedenken innerhalb des Heers sind viel zu gross. Bei den Soldaten würde ein Einmarsch auf Widerstand stossen», so Schmid.

Vielmehr wolle Russland mit den ersten Raketen-Angriffen auf Kiew seit Anfang Juni Macht demonstrieren. «Es ist ein Signal an die EU. Russland will damit zeigen, dass das gesellschaftliche und politische Leben in der ukrainischen Hauptstadt jederzeit empfindlich gestört werden kann», so Schmid.

«Viel zu wenig für ein Ablenkungsmanöver» im Ukraine-Krieg

Eine Umgruppierung des Krieges seien die Raketen-Angriffe deshalb nicht. «Es würde mich überraschen, wenn weitere Bodenangriffe auf Kiew folgen würden», sagt Schmid.

Denn Russland würden die Ressourcen für eine weitere Militär-Offensive im Norden der Ukraine schlicht fehlen. Diese sind aufgrund des nur beschwerlichen Vorrückens im Ukraine-Krieg alle in der Ostukraine gebunden.

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Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew. - Keystone

Auch ein Ablenkungsmanöver der Russen, um die ukrainischen Kräfte zwischen Kiew und dem Donbass aufzuteilen, schliesst Schmid aus.

Glauben Sie an ein baldiges Kriegsende?

«Die Raketen-Angriffe sind zu wenig für eine militärische Täuschung», so der Russland-Experte. «Ausserdem hat die Ukraine gar keine Truppen, welche sie aus dem Osten nach Kiew schicken könnte.»

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