Ukraine Krieg

    Ukraine Krieg: Russland sucht Soldaten via Callcenter

    Julian Blatter
    Julian Blatter

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    Russland sucht im Ukraine-Krieg händeringend nach Soldaten. Egal ob alt oder jung, Reservisten erhalten verlockende Angebote, auch von einem Call-Center aus.

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    Putin empfängt am Montag Abbas in Moskau. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Verluste im Ukraine-Krieg sind gross.
    • Daher hat Russland den Sold stark angehoben und rekrutiert alte Soldaten.
    • Auch versucht man, so viele wie möglich per Telefon oder mit Briefen anzuwerben.

    Putins Krieg gegen die Ukraine ist kostspielig. Die aktuellsten Angaben aus dem Kreml beziffern die Anzahl gefallener russischer Soldaten auf 1351. Allerdings stammt diese Zahl aus dem März. Militärs aus dem Westen schätzen die Zahl deshalb bedeutend höher ein: Mehr als fünfmal so viele sollen laut «Spiegel» ihr Leben gelassen haben.

    Kein Wunder also sucht die russische Armee händeringend nach neuen Soldaten. Eine Generalmobilmachung der mindestens zwei Millionen Reservisten ist dabei jedoch keine Option. Schliesslich befindet sich Russland nach eigener Darstellung nicht im Krieg, sondern in einer «Spezialoperation». Daher greift der Kreml auf andere Mittel zurück.

    65-Jährige dürfen in Ukraine-Krieg jetzt an die Front

    So hat die Duma, das russische Parlament, das Höchstalter für Soldaten von 40 auf 65 Jahre nach oben gesetzt. Wer nicht pensioniert ist, darf kämpfen. Auch der Sold wurde kräftig nach oben geschraubt. Berufssoldaten bietet das Militär mindestens 200'000 Rubel, knapp 3500 Franken pro Monat an.

    Teilweise erhalten die Soldaten gar mehr: Einem Reservisten aus Nischni Nowgorod – der «Spiegel» nennt ihn Kirill Kretschetow – bot man 300'000 Rubel an. Das sind rund 5200 Franken – mehr als siebenmal so viel wie der Durchschnittsverdienst in der Region.

    Rekrutierung via Call-Center

    Auch beim Anwerbeprozedere legt sich die russische Armee ins Zeug. Kretschetow bekam mehrere Briefe, wurde via Chat benachrichtigt und musste schliesslich beim Militär antanzen. Doch er liess sich nicht überzeugen, am Ukraine-Krieg teilzuhaben.

    Erst als er schriftlich begründete, weshalb er nicht kämpfen wollte, durfte er wieder gehen. Und er war nicht der Einzige: «Sie schreiben hier alle an, die jemals Wehrdienst geleistet haben», so der Reservist.

    Macht Ihnen der Ukraine-Krieg Angst?

    Nikita Juferew, 34-jähriger Lokalpolitiker aus Sankt Petersburg, berichtet von einer anderen Methode. Ende Mai habe er einen Anruf erhalten – am anderen Ende habe eine freundliche Frauenstimme gesprochen. Kurzerhand wollte man ihn per Telefon für den Ukraine-Krieg anwerben – Rekrutierung via Call-Center. Auch viele andere Männer wurden auf diese Weise angerufen.

    Hohe Entschädigung lockt in den schnellen Tod

    Laut Militärexperten sind die Reservisten schlecht ausgebildet, da sie normalerweise keine regelmässigen Übungen abhalten. Daher führt deren Einsatz zu hohen Verlusten. Aber auch dieses Hindernis will der Kreml aus dem Weg räumen. Putin hat festgelegt, dass Familien von Soldaten, die im Ukraine-Krieg sterben, mehr als zwölf Millionen Rubel, über 200'000 Franken erhalten.

    Ob das über die teils rasch umkommenden jungen Männer hinwegtäuscht, ist allerdings fraglich: Anfang Mai starben zwei junge Männer aus Bujatien – den Vertrag hatten sie im April unterschrieben.

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