Ein veröffentlichter Leak zeigt, dass Teile des russischen Inlandsgeheimdienstes nicht an einen Sieg Wladimir Putins im Ukraine-Krieg glauben.
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Wladimir Putin hält am 8. März 2022 eine Rede. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Dokument wurde veröffentlicht, das die Meinung eines Geheimdienstagenten zeigt.
  • Demnach sei der russische Krieg in der Ukraine ein «Totalversagen».
  • Selbst wenn Russland Selenskyj töten würde, würde das laut dem Agenten nichts ändern.

Ein Leak eines Offiziers des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB zeigt: Teile des Geheimdienstes sehen im Ukraine-Krieg so gut wie keine Erfolgschancen. Dabei handelt es sich um Informationen, die der Agent öffentlich machen will, wie die «Times» schreibt.

Niemand vom Geheimdienst soll gewusst habe, dass es zum Ukraine-Krieg kommen würde. Sonst hätte der Geheimdienst den Kreml darauf hinweisen können, «dass der ursprüngliche Plan fragwürdig ist». Auch sei deswegen niemand auf das Ausmass der westlichen Sanktionen vorbereitet gewesen.

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Was plant Putin am 9.Mai? - Keystone

Der FSB-Agent hält es nicht für ausgeschlossen, dass Putin gegenüber EU und Nato eine Minderung der Sanktionen fordern werde. Andernfalls, so glaubt er, könne der russische Präsident der Nato mit Krieg drohen. «Ich schliesse nicht aus, dass wir dann in einen echten internationalen Konflikt geraten, wie es Hitler 1939 tat.»

Ukraine-Krieg ein «Totalversagen»

Den Ukraine-Krieg bezeichnet er von russischer Seite her als «Totalversagen». Es sei unmöglich, die russischen Ziele jetzt noch zu erfüllen. Eine schnelle Kapitulation der Ukraine wäre nur bei Gefangennahme der ukrainischen Regierung in den ersten drei Kriegstagen möglich gewesen.

Ukraine Krieg Russische Militärfahrzeuge
Russische Militärfahrzeuge fahren in Richtung Kiew am 7. März 2022.
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Zivilisten laufen am 1. März 2022 durch eine Strasse in Bucha, nahe Kiew, in der zerstörte russische Militärfahrzeuge stehen.
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Freiwillige der ukrainischen Territorialen Verteidigungskräfte inspizieren ein beschädigtes Militärfahrzeug am Stadtrand von Charkiw, der zweitgrössten Stadt der Ukraine, Montag, 7. März 202
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Ein russischer Kampfjet hebt am 7. März 2022 ab.
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Ein ausgebranntes Auto steht am 1. März 2022 inmitten von Trümmern nach einem Luftangriff der russischen Armee.

Zudem bezweifelt der FSB-Offizier in seinem Schreiben, dass Russland bei der Installierung einer pro-russischen Regierung die Macht halten könnte. Dafür seien der Widerstand durch die ukrainische Bevölkerung und der logistische Aufwand zu gross.

Haben Sie Angst, dass der Krieg sich auf andere Länder ausweitet?

Selbst wenn Russland Wolodymyr Selenskyj noch töten würde, «wird das nichts ändern». Der Hass auf Russland sei zu gross. Das Bombardement von Zivilisten und Evakuierungsrouten habe dafür gesorgt: «Sogar diejenigen, die uns gegenüber loyal waren, sind jetzt gegen uns.»

«Alles geht den Bach herunter»

Interessant ist auch seine Behauptung, der Kreml wisse nicht, wie viele Tote es aufseiten der Russen im Ukraine-Krieg gegeben habe. Es könne durchaus sein, dass bereits über 10'000 Soldaten umgekommen seien. Die aktuelle Lage Russlands sei vergleichbar mit dem Niedergang Nazideutschlands. «Wenn wir verlieren, dann war es das, dann sind wir am Ende.»

Wolodymyr Selenskyj Ukraine Krieg
Auf diesem vom ukrainischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Bild ist Wolodymyr Selenskyj am 26. Februar 2022 in Kiew zu sehen, wie er via Smartphone zum ukrainischen Volk über den Ukraine-Krieg spricht. - AP

Der FSB-Agent schliesst zudem den lokalen Einsatz von Atomwaffen zur «Einschüchterung» nicht aus. Auch traut er Putin die Bereitschaft zu, einen weltweiten Atomkrieg auszulösen. Das hält er aber für unwahrscheinlich, da Putin eine solche Entscheidung nicht allein treffen könne.

Den Bericht beendet er mit den Worten: «Alles geht den Bach herunter.»

Echtheit des Berichts nicht unabhängig überprüfbar

Das gut 13'000 Zeichen umfassende Dokument wurde vom russischen Menschenrechtsaktivisten Vladimir Osechkin auf Facebook und der Anti-Korruptions-Website «Gulagu.net» veröffentlicht. Die Rechercheplattform «Bellingcat» stuft es als authentisch ein.

Zwei andere Quellen beim FSB hätten «keine Zweifel», dass der Bericht von einem Kollegen verfasst worden sei. Seine Echtheit lässt sich aber nicht unabhängig überprüfen.

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