Im Ukraine-Krieg spitzt sich die Lage um das belagerte Stahlwerk Azovstal weiter zu. Doch die letzten ukrainischen Kämpfer denken nicht daran, aufzugeben.
Mariupol Ukraine Krieg
Russische Soldaten in zerbombten Theater von Mariupol. - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Das ukrainische Stahlwerk in Mariupol, Azovstal, wird von den Russen weiterhin belagert.
  • Die verbleibenden Kämpfer zeigen sich tapfer und wollen unter keinen Umständen aufgeben.

Ungeachtet ihrer äusserst schwierigen Lage wollen die letzten ukrainischen Kämpfer im belagerten Stahlwerk Azovstal in der Hafenstadt Mariupol nicht aufgeben. «Kapitulation ist keine Option für uns, weil Russland kein Interesse an unserem Leben hat.» Dies sagte Illja Samojlenko vom Asow-Regiment am Sonntag bei einer Online-Pressekonferenz. Bei dieser war er eigener Aussage zufolge aus dem Inneren des Werks zugeschaltet.

Er und die anderen Kämpfer würden Azovstal im Ukraine-Krieg weiter gegen die russische Armee verteidigen, versicherte der Offizier. «Wir brauchen die Unterstützung der ganzen Welt.»

Am Samstag wurden die letzten Frauen und Kinder sowie ältere Zivilisten in Sicherheit gebracht. Dies geht übereinstimmenden Angaben aus Kiew und Moskau hervor.

Ukraine-Krieg Azovstal
Im Ukraine-Krieg aus dem Stahlwerk Azovstal gerettete Menschen kommen am 3. Mai per Bus in Saporischschja an. (AP Photo/Evgeniy Maloletka) - keystone

Sie waren zuvor wochenlang eingeschlossen. Dies, nachdem Russlands Armee mithilfe prorussischer Separatisten die Stadt am Asowschen Meer weitgehend eingenommen und Azovstal umzingelt hatte. Beobachter gehen davon aus, dass Moskau das Werksgelände nun so schnell wie möglich einnehmen will. Dies, um die vollständige Eroberung Mariupols verkünden zu können.

Kritik zum Ukraine-Krieg auch aus eigenen Reihen

Der ukrainische Kämpfer Samojlenko kritisierte unterdessen auch die ukrainische Führung: «Unserer Regierung ist es nicht gelungen, Mariupol zu verteidigen. Es ist ihr nicht gelungen, die Verteidigung vorzubereiten.»

Dass die letzten in Azovstal verschanzten Kämpfer des von Nationalisten dominierten Asow-Regiments nun als Helden gefeiert würden: kein Grund zur Freude. Er meinte: «Heldentum entsteht, wenn Planung und Organisation versagt haben.»

Mariupol ist seit Wochen praktisch vollständig unter russischer Kontrolle. Ukrainische Truppen sind rund 100 Kilometer entfernt. Sie sind nicht in der Lage, den verbliebenen Soldaten in der zu grossen Teilen zerstörten Stadt zu helfen.

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