Mariupol leidet besonders unter dem Ukraine-Krieg. Nun ist die Stadt unter russischer Kontrolle, verbessert hat sich die Lage jedoch kaum.
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Ein russischer Panzer in einem Vorort der ukrainischen Stadt Mariupol. (Archivbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Russland hat Mariupol vor rund einem Monat nach langer Belagerung eingenommen.
  • Für die Bevölkerung hat sich die Lage seither offenbar nicht wirklich verbessert.
  • Es fehlt immer noch an grundlegenden Gütern wie Wasser.

Mitte Mai schaffte Russland die Eroberung von Mariupol. Seither hat sich in der Stadt vieles verändert. Wie ein Bericht des «Guardian» zeigt, leidet die Bevölkerung jedoch immer noch.

Die britische Zeitung hat mit Menschen gesprochen, die erst nach der russischen Übernahme im Ukraine-Krieg geflüchtet sind. Sie haben demnach einige Zeit unter der Kontrolle Moskaus in der Stadt verbracht.

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Beschädigte Häuser und Busse in Mariupol.
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Russische Soldaten im zerbombten Theater von Mariupol.
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Rauch über dem Asow-Stahlwerk in Mariupol.

Einer von ihnen ist Wladimir Kortschma. Der 55-Jährige, der Ende Mai Mariupol verlassen hat, findet klare Worte zur russischen Herrschaft: «Es war schlimmer als die Hölle dort. Es gibt keine Worte, um das zu beschreiben.»

Wichtige Güter waren laut Kortschma Mangelware. «Wir hatten kein Gas und keine Elektrizität. Nur wer Glück hatte, hatte Wasser

Russland betreibt in Mariupol Propaganda für Ukraine-Krieg

Aktuell befindet sich der Geflüchtete zwar in Kiew. Dennoch macht er sich im Ukraine-Krieg immer noch Sorgen um Mariupol. Grund: Sein Bruder und andere Menschen, die er kennt, sind noch dort. Der Kontakt mit den Zurückgebliebenen sei aber schwierig, denn auch Internet und Telefonnetz fehlen grösstenteils.

Doch nicht nur die unverändert harten Lebensbedingungen machen den Bewohnern von Mariupol zu schaffen. Unter russischer Herrschaft werde ihnen auch die entsprechende Kreml-Propaganda aufgezwungen, moniert zum Beispiel Katerina. Sie hat bereits Anfang Mai die Stadt verlassen, erlebte aber die russische Herrschaft in Teilen mit.

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Unterstützer der Russen feiern im vom Ukraine-Krieg völlig zerstörten Mariupol den «Tag des Sieges». - Keystone

Die Frau, die laut dem «Guardian» anonym bleiben will, sagt: «Wir wurden gezwungen, Geschichten über die Entnazifizierung zu hören.» Dafür würden ganze Übertragungswagen in die Ukraine gefahren.

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Menschen stehen in Mariupol vor einem grossen Bildschirm, auf dem Russland Propaganda zeigt. - Twitter/@InfoResist

In den Strassen von Mariupol herrscht laut Katerina, die sich aktuell in der russischen Stadt Rostow befindet, Chaos. Viele Leichen liegen am Boden. Sie sagt gegenüber dem «Guardian»: «Der Geruch in der Stadt war sehr intensiv, egal wo man hinging.»

In Mariupol leben aktuell noch rund 90'000 Menschen. Vor der gross angelegten Invasion im Februar waren es noch rund 440'000 Einwohner.

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