Tanktourismus in Spanien – Franzosen füllen Wasserflaschen mit Sprit
In Spanien ist Tanken deutlich günstiger – französische Autofahrer fahren deshalb mit Wasserflaschen voll Benzin wieder nach Hause.

Das Wichtigste in Kürze
- Viele Franzosen fahren derzeit zum Tanken nach Spanien.
- Weil Kanister knapp sind, füllen sie sogar Wasserflaschen mit Sprit.
- Der Spritpreis in Spanien ist aktuell bis zu 50 Cent günstiger als in Frankreich.
Spanische Tankstellen verzeichnen derzeit einen Ansturm von französischen Autofahrern. Der Grund: In Spanien sind Benzin und Diesel pro Liter bis zu 50 Cent günstiger, wie der französische Sender «TF1» berichtet. Umgerechnet sind das rund 45 Rappen.
«Wir waren nicht darauf vorbereitet, so viele Kanister zu verkaufen», sagt ein Händler gegenüber dem französischen Sender. Sein Laden verkaufe inzwischen 50 bis 60 Stück pro Woche. Das sei fast viermal so viel wie noch vor dem Anstieg der Spritpreise.
Tankstellenbetreiber: «Man sieht wirklich alles»
«Man sieht wirklich alles. Es gibt sogar Leute, die mit Wasserflaschen kommen», berichtet ein Tankstellenbetreiber.
Solche improvisierten Lösungen sind jedoch gefährlich. Wasserflaschen und andere nicht zugelassene Behälter sind nicht für den Transport von Treibstoff geeignet.
Der Tankstellenbetreiber warnt ausdrücklich davor. «Die Gefahr besteht in den Benzindämpfen, wenn sich die Hitze im Kofferraum staut», erklärt er. Im schlimmsten Fall könne das sogar Explosionen auslösen.
Erlaubt sind ausschliesslich Behälter aus kraftstoffbeständigen Materialien, also Materialien, die dem Kontakt mit Benzin standhalten. Solche Kanister sind speziell dafür konstruiert und geprüft.
Spanien senkt Steuern auf Treibstoff
Der Grund für die tieferen Spritpreise in Spanien liegt in einem staatlichen Entlastungspaket. Ende März trat in Spanien ein milliardenschweres Massnahmenpaket in Kraft. Ein Teil des Pakets: Die Mehrwertsteuer auf Benzin, Diesel, Erdgas und Strom wurde von 21 auf 10 Prozent gesenkt.
Laut TCS liegen die Benzinpreise in Spanien im Juni durchschnittlich bei 1.48 (Bleifrei 95) und 1.55 Euro (Diesel). Das entspricht 1.36 und 1.43 Franken.
In Frankreich betragen sowohl der Benzin- als auch der Dieselpreis durchschnittlich 2.01 Euro, wie der deutsche Automobilclub ADAC schreibt. Umgerechnet sind das 1.85 Franken.

Das macht sich direkt am Zapfhahn bemerkbar: Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer lohnt sich der Weg über die Grenze deshalb finanziell. «TF1» berichtet unter anderem von einem Familienvater, der bereits zwei 20-Liter-Kanister besitzt. Nun kauft er einen dritten, «um in Spanien Benzin zu tanken».
Das Phänomen des Tanktourismus ist nicht neu. Schweizerinnen und Schweizer fahren seit Jahren ins benachbarte Ausland, um billiger zu tanken.
Besonders Deutschland und Österreich sind beliebte Ziele, wenn der Frankenkurs günstig ist und die Preisunterschiede gross genug sind.
Die aktuellen schweizweiten Durchschnittswerte des TCS zeigen Ende Mai 2026 etwa 1.91 Franken pro Liter für Bleifrei. Für Diesel liegen sie bei 2.12 Franken pro Liter.












