In Grossbritannien ist längst ein Streit um die Kolonialgeschichte des Landes entbrannt. Nun wirft ein Historiker der Regierung Doppelmoral vor.
Johnson
Boris Johnson, der Premierminister von Grossbritannien. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die britische Regierung will Meinungsfreiheit an den Universitäten verteidigen.
  • Sie soll aber auch versuchen, Forschung einzuschränken, die das Empire in Frage stellt.
  • Das wirft ein Historiker der Regierung um Boris Johnson vor.

In einem Streit um die britische Kolonialgeschichte hat ein Historiker der Regierung in London Doppelmoral vorgeworfen. «Einerseits kündigt die Regierung an, die Meinungsfreiheit an Universitäten zu verteidigen», sagte Steve Hewitt von der Universität Birmingham der Deutschen Presse-Agentur.

Andererseits werde versucht, Forschung einzuschränken, die das vorherrschende Bild des British Empire und historischer Persönlichkeiten wie Ex-Regierungschef Winston Churchill in Frage stellt. «Das bedeutet Redefreiheit für Menschen, denen die Regierung zustimmt, aber Einschränkungen für die, denen sie nicht zustimmt», sagte Hewitt.

Churchill
Winston Churchill, Premierminister Grossbritannien 1940-45 und 1951-55. - marinamaral.com

Am heutigen Dienstag will Kulturminister Oliver Dowden bei einem runden Tisch die wichtigsten historischen Einrichtungen des Landes auffordern, einen «allgemeineren Blick» auf die britische Geschichte zu werfen.

Konservative empört wegen Sklaven-Untersuchungen

Zuletzt hatten konservative Kräfte empört auf Ankündigungen historischer Stätten reagiert, die Verwicklung ihrer früheren Eigentümer in den kolonialen Sklavenhandel zu untersuchen und deutlich zu machen. Die Debatte hatte aufgrund der Black-Lives-Matter-Proteste im Sommer 2020, bei denen in mehreren britischen Städten Denkmäler beschmiert und umgeworfen wurden, an Dynamik gewonnen.

Black Lives Matter
Ein Schild mit der Aufschrift «Black Lives Matter» hinter der Statue von Winston Churchill in London. - Keystone

In der Regierung von Premierminister Boris Johnson gebe es ein «tiefgreifendes Missverständnis» davon, was Geschichte ist, sagte Hewitt. «Geschichte ist keine Art Tatsache, die sich nie ändert und auf Steintafeln geschrieben von Generation zu Generation weitergegeben wird.»

Hewitt kritisierte, die Politik der Regierung biete die Grundlage für Einschüchterungsversuche. «Sie bringt alternative Ansichten zum Schweigen und verhindert ein umfassenderes Verständnis der Vergangenheit», sagte er. Ziel sei es, Versuche zu unterdrücken, die Kolonialgeschichte umfassender aufzuarbeiten. «Der nationale Mythos wird mit der Geschichte verschmolzen.»

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