Streikende Lufthansa-Piloten lassen erneut hunderte Flüge ausfallen
Mehr als 600 Flugausfälle und tausende enttäuschte Passagiere: Der Streik der Piloten hat auch am zweiten Tag die Lufthansa und ihre Kunden empfindlich getroffen.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sieht Belege für eine unerwartet hohe Beteiligung der Beschäftigten, wartet aber weiterhin auf ein neues Angebot des Arbeitgebers im festgefahrenen Tarifkonflikt um die Betriebsrenten. Erst für den Samstag erwartet Lufthansa wieder einen Flugverkehr im üblichen Umfang.
Nach Angaben des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport fielen am zweiten Streiktag in Frankfurt rund 450 von 1.225 geplanten Starts und Landungen aus. In München wurden 180 von rund 800 Flugbewegungen gestrichen. Die Zahlen beziehen sich auf alle Fluggesellschaften, die Ausfälle sind wesentlich der Lufthansa zuzuordnen. An den anderen deutschen Flughäfen sind nur Lufthansaflüge in die beiden Drehkreuze betroffen, während zum Beispiel Eurowings wie gewohnt fliegt.
Lufthansa hat für die Streikzeit einen Sonderflugplan aufgestellt, der mindestens die Hälfte der üblichen Flüge anbietet. Auf der Langstrecke sollten 60 Prozent stattfinden. Dieser Flugplan werde weiterhin eingehalten, erklärte eine Sprecherin. Lufthansa wollte nach eigener Ankündigung grössere Flugzeuge einsetzen, Flüge von nicht bestreikten Konzernairlines erledigen lassen und freiwillige Crews einsetzen.
Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit sprach am Freitagmittag hingegen von einer Ausfallquote von mehr als 65 Prozent. VC-Vizepräsidentin Katharina Diesseldorff warf dem Unternehmen erneut «Schönfärberei» vor. Sie sagte: «Die Lufthansa hat natürlich ein Interesse daran, ihre Zahlen möglichst positiv darzustellen und damit zu suggerieren, der Streik sei weniger wirksam. Unsere Zahlen zeigen jedoch sehr deutlich, dass die Beteiligung sehr hoch ist.»
Ein Lufthansa-Sprecher reagierte darauf mit den Worten: «Wir halten nichts von gegenseitigen öffentlichen Bezichtigungen und werden uns insofern nicht daran beteiligen.»
Der am Donnerstag begonnene Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der Fracht-Tochter Cargo sollte noch bis Mitternacht dauern. Es geht in dem Tarifkonflikt um die Betriebsrenten von rund 4.800 Pilotinnen und Piloten. Beendet wurde hingegen der nur auf einen Tag geplante Streik bei der Regionaltochter Lufthansa Cityline. Dort wollen die Piloten höhere Gehälter durchsetzen.














