Spahns Abgang entfacht die Leihmutterschaft-Debatte neu

Esada Kunic
Esada Kunic

Deutschland,

Nach Spahns Rücktritt als Unionsfraktionschef entbrennt die Debatte um Leihmutterschaft neu. Parteien, Experten und Bürger sind gespalten.

Jens Spahn Leihmutterschaft
Der Rücktritt von Spahn als Unionsfraktionschef wirft eine grosse Frage auf: Muss Deutschland seine Haltung zur Leihmutterschaft überdenken? - keystone

Jens Spahn und sein Mann Daniel Funke haben öffentlich bekanntgegeben, Eltern geworden zu sein.

Eine Leihmutter in den USA trug ihren gemeinsamen Sohn Georg aus, wie die «Zeit» berichtet.

Soll Deutschland die Leihmutterschaft legalisieren?

Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot, das Spahn in der CDU mitgetragen hatte.

Rücktritt nach Druck aus den eigenen Reihen

Der Widerstand innerhalb der Union wuchs rasch an. «ZDFheute» dokumentiert, wie empörte Schreiben aus Parteikreisen und schliesslich ein Ultimatum von Bundeskanzler Friedrich Merz den Ausschlag gaben.

Spahn schrieb in einem Abschiedsschreiben an die Fraktion, sein persönliches Glück sei «nicht vereinbar» mit seinem politischen Amt.

Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte ordnete den Rücktritt bei «ZDFheute» ein: Letztlich hätten Spahns eigene Leute ihn zu Fall gebracht, denn als Fraktionsführer brauche man Glaubwürdigkeit, um steuern zu können.

Spahns Abgang: Debatte um Leihmutterschaft nimmt Fahrt auf

Grünen-Fraktionschefin Britta Hasselmann forderte laut «Zeit» eine erneute inhaltliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung.

Diese hatte 2024 empfohlen, Leihmutterschaft unter engen Voraussetzungen zuzulassen.

Bildungsministerin Karin Prien zeigte der «Zeit» zufolge Verständnis für Paare, die im Ausland Hilfe suchen. Eine baldige Kursänderung ihrer Partei könne sie sich aber kaum vorstellen.

Ethikrat fordert ehrliche Diskussion

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Helmut Frister, forderte laut «ZDFheute» eine ehrliche Debatte über die rechtliche Situation.

Die Diskussion zeige «wie unter dem Brennglas die Doppelmoral der Gesellschaft im Bereich der Fortpflanzungsmedizin».

spahn leihmutterschaft
Parteien, Experten und Bevölkerung sind uneins: Spahns Fall zwingt Deutschland zu einer neuen Diskussion über Leihmutterschaft. (Symbolbild) - keystone

Kritische Stimmen kamen auch von links. Die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Kathrin Gebel, warnte laut «Zeit», gesundheitliche Risiken verschwänden auch bei altruistischer Leihmutterschaft nicht automatisch.

Bürger sind gespalten

Eine repräsentative Befragung des Instituts Insa ergab laut «Zeit», dass 41 Prozent das Verbot der Leihmutterschaft für falsch halten. Demgegenüber sprechen sich 39 Prozent für das Verbot aus.

Auffällig ist ein ungewöhnlich hoher Anteil von 21 Prozent, der keine Antwort gab. Das «Deutsche Ärzteblatt» betont, die Union stehe nun vor einem Umbau an entscheidenden Schaltstellen im Berliner Politikbetrieb.

Der Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder warnte laut «Deutschem Ärzteblatt» vor einer überhasteten Nachfolgeentscheidung: Besser eine «innovative und funktionierende Lösung» als eine schnelle Entscheidung, die sich bald als schwierig herausstelle.

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Kommentare

User #5184 (nicht angemeldet)

Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen - Basta -

User #9089 (nicht angemeldet)

Mich interessiert, was in der Schweiz läuft. Weshalb sollen wir uns zu Deutschland äussern!

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