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Wie geht das denn? Espresso im Tessin kostet 2,40 Franken

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Monteceneri,

Ein Gast aus dem Wallis wundert sich, als er im Tessin für einen Espresso nur 2,40 Franken bezahlt. Wie können die Wirte damit überhaupt noch etwas verdienen?

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In einer typischen italienischen Kaffeebar kommt der Espresso ohne Kaffeerahm und Schöggeli daher. - pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Espresso ist in der Sonnenstube der Schweiz viel günstiger als im Rest des Landes.
  • Dabei sind die Unterschiede gross. Von rund 4,50 Franken in Zürich zu 2,40 Franken im Tessin.
  • Der Präsident von CafetierSuisse erklärt, weshalb die Tessiner dennoch etwas daran verdienen.

Ein Walliser aus dem Örtchen Grône bei Sitten staunt nicht schlecht, als er im Tessiner Ort Camignolo die Rechnung für zwei Espressi und drei Deziliter Süssgetränk erhält. Das Ganze kostet ihn lediglich acht Franken.

«Da soll noch einer sagen, die Schweiz sei teuer», kommentiert er mit lachenden Emojis sein Foto der Rechnung.

In den Kommentaren wird das Tessin als «Paradies» bezeichnet. «Deshalb liebe ich das Tessin so sehr», heisst es dort unter anderem.

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Zwei Espresso und ein Süssgetränk für insgesamt acht Franken. «Da soll noch einer sagen, die Schweiz sei teuer», so der Walliser. - Screenshot facebook

Tatsächlich sind die Espresso-Preise im Tessin viel billiger als im Rest des Landes.

Eine Erhebung des Tessiner Fernsehens RSI von 2025 zeigt Preise zwischen 2 und 3,20 Franken. Bei einer zusätzlichen Stichprobe in Bellinzona ist der am häufigsten angetroffene Preis 2,50 Franken.

«Ein Espresso für 2,40 Franken ist im Tessin somit zwar günstig im schweizweiten Vergleich, aber keineswegs aussergewöhnlich», sagt Patrik Hasler-Olbrych, Leiter Kommunikation und stellvertretender Direktor von Gastro Suisse.

Der vom Bundesamt für Statistik erhobene durchschnittliche Espresso-Preis sei schweizweit in den ersten zehn Monaten 2025 bei 4,54 Franken gelegen, so Hasler-Olbrych zu Nau.ch.

Tessiner vergleichen Preise mit Italien

Der Tessiner Kantonalverband Gastro Ticino hat kürzlich eine Umfrage zu den Kaffeepreisen im Kanton gemacht.

«Aus den Ergebnissen geht klar hervor, dass die Preise im Tessin im Allgemeinen niedriger sind als in der Deutschschweiz. Der Unterschied ist vor allem auf die Nähe zu Italien und den entsprechenden Einfluss auf unseren Markt zurückzuführen», erklärt Verbandsdirektor Gabriele Beltrami.

Denn die Kundschaft neige dazu, die Preise im Tessin mit jenen in Italien zu vergleichen. Hinzu kämen eine schwierige wirtschaftliche Situation, im Durchschnitt niedrigere Löhne als im übrigen Teil der Schweiz sowie eine sinkende Kaufkraft.

«All diese Faktoren wirken sich in einem freien Markt zwangsläufig auf die Preisgestaltung aus», so Beltrami zu Nau.ch.

Wie viel kostet der Espresso in deinem Lieblings-Restaurant?

Doch das ist nur die eine Seite. Der Gastro-Ticino-Direktor betont: «Es darf nicht vergessen werden, dass die Tessiner Gastrobetriebe allgemeine Betriebs- und Personalkosten tragen müssen, die nicht auf italienischem, sondern auf Schweizer Kostenniveau liegen.» Und dies unter Einhaltung des Gesamtarbeitsvertrages.

Deshalb wäre etwas mehr Mut, die Preise nach oben anzupassen, wichtig, findet Beltrami. Dies, um die Kosten zu decken, faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und den Gästen «weiterhin einen professionellen Service bieten zu können».

«Ohne Crème-Portion und weniger Bohnen»

In Italien liegt der Espresso-Preis aktuell zwischen 1,40 und 2 Euro, wie Hans-Peter Oettli von CafetierSuisse aufzeigt. «Der Espresso-Preis im Tessin ist und war schon immer am Preis in Italien orientiert. Dieser war vor dem Euro 100 Lire und mit Einführung des Euro 1 Euro», so der Präsident des Branchenverbands für Kaffee gegenüber Nau.ch.

Mit der Preiserhöhung in Italien sei entsprechend auch der Preis im Tessin mit der Zeit gestiegen.

Doch auch bei solch tiefen Preisen wie den 2,40 Franken für den Espresso in Camignolo gehe der Wirt nicht leer aus, betont Oettli.

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Der Espresso kommt im Tessin kleiner daher, sprich es werden Bohnen gespart. Somit kann er günstiger angeboten werden. - pexels

«Die Betriebe im Tessin verdienen mit diesem tiefen Preis auf dem Espresso noch etwas. Der Grund ist, dass die Warenkosten etwas tiefer sind, weil es keine Crème-Portion, etwas weniger Kaffee-Bohnen und keine anderen Beilagen dazu gibt», erläutert er. Also auch kein Guetzli oder Schöggeli, wie es in der Deutschschweiz oft gemacht wird.

Zudem sei der Preis für einen Kaffee Crème oder einen Cappuccino auch im Tessin bedeutend höher als 2,40 Franken.

Gemäss der Kaffeepreisumfrage von CafetierSuisse lag der durchschnittliche Preis für einen Café Crème 2025 in der Deutschschweiz bei 4,65 Franken, in der Stadt Zürich waren es 4,91 Franken, in Zug 4,85 Franken.

Und wie wird es 2027 sein? Das sei wie immer «Kaffesatz-Lesen», so Oettli.

Kommentare

User #2238 (nicht angemeldet)

Bei uns im Aargau kostet einen Espresso durchschnittlich 80 Rappen und ein Kaffee Creme en Franke zwanzg.

User #3182 (nicht angemeldet)

Er ist nicht nur günstiger sondern besser auch noch.

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