Berlin: Hacker veröffentlichen sensible Daten nach Fristablauf
Das Ultimatum der kriminellen Hackergruppe Rhysida nach ihrem Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung und ihrer Lösegeldforderung an den Senat ist abgelaufen. Nach dem Verstreichen der Frist am Nachmittag wurde auf der Webseite der Erpresser im Darknet die «Auktion» beendet. «Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spass beim Stöbern, Datenjäger!», hiess es dort.

«Nach dem, was ich jetzt hier sehen kann, haben sie den kompletten Datensatz für alle zur Einsicht live gestellt», sagte der Sprecher des Chaos Computer Clubs, Joachim Selzer, der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist für die Berliner Verwaltung schon unangenehm. Das sind natürlich sehr viele interne Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ich sehe hier zum Beispiel Personalangelegenheiten, auch Arbeitszeugnisse. Mit solchen Daten können Kriminelle immer irgendetwas anfangen.»
In den Daten fänden sich unter anderem Bauangelegenheiten, Notfallpläne, Dokumente zu Bewerbungsverfahren, Stundenzettel, Wiedereingliederungsmassnahmen von Mitarbeitern oder Betriebsratsunterlagen, sagte Selzer. Aber auch «jede Menge behördlicher Kleinkram». Dies seien häufig «lauter Kleinigkeiten, die für Identitätsdiebstahl interessant sein könnten».
Die Erpresser hatten auf ihrer Leak-Site einen Countdown geschaltet, der am Freitag gegen 15.35 Uhr ablief. Gefordert wurde ein Lösegeld von 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Berliner Senat hatte vorab bekräftigt, auf derartige Erpressungen nicht einzugehen und kein Lösegeld zu zahlen. Damit drohte die Veröffentlichung der Daten aus dem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung.
Die Senatskanzlei teilte am Abend mit, dass die Daten derzeit von IT-Experten geprüft würden. Betroffene sollten kontaktiert werden. «Sofern im Rahmen der Analyse einzelne betroffene Personen identifiziert werden, werden diese risikobasiert und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben von den zuständigen Senatsverwaltungen informiert», hiess es in dem Schreiben der Senatskanzlei.
Die von den Angreifern bereits zuvor veröffentlichten Auflistungen und Screenshots deuten auf einen gravierenden Abfluss hochsensibler Daten hin. Danach behauptete die Gruppierung, rund 1,44 Millionen Dateien erbeutet zu haben. Darunter sollen sich neben mehr als 5.000 Personalakten, Bussgeldvorgängen und Gehaltsabrechnungen auch vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung befinden.
Zudem brüsteten sich die Erpresser damit, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben – unter anderem für Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister.
Die Berliner Verwaltung hatte den am 14. August bekanntgewordenen Cyberangriff bestätigt. Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind in die Analyse und Bewältigung des Vorfalls eingebunden. Sollte das Datenpaket vollständig publik werden, drohen den betroffenen Behörden und Tausenden Bürgern sowie Beschäftigten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken.














