Schwelgen in Farben – Franz Marcs Kunst in Düsseldorf
Blaue Pferde, rote Kühe, Katzen und Rehe – Franz Marcs leuchtend bunte Tierbilder gehören zu den berühmtesten Werken der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts.

In einer grossen Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf sind ab Samstag (12. September) mehr als 120 Gemälde und Papierarbeiten des Mitbegründers der Künstlergruppe «Blauer Reiter» zu sehen. Die Ausstellung «Auf der Suche nach einer besseren Welt» ist nach Angaben der Kunstsammlung die erste grosse Schau zu Franz Marc in Deutschland seit rund 20 Jahren.
Den Kuratoren gelang es, Meisterwerke aus deutschen und internationalen Museen sowie aus Privatsammlungen zu entleihen, die nur äusserst selten auf Reisen geschickt werden. Die Ausstellung könnte das Zeug zu einer Blockbuster-Schau haben, denn Franz Marc, der im Alter von nur 36 Jahren 1916 in Verdun fiel, gehört zu den populärsten Künstlern der Moderne.
«Wenn wir an Franz Marc denken, dann haben wir sofort die blauen Pferde im Kopf», sagt Kuratorin Susanne Meyer-Büser. Das Gesamtwerk des gebürtigen Münchners besteht aus nur 244 Gemälden und etwa genauso vielen Aquarellen und Zeichnungen, die in wenigen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zwischen 1904 und 1914 entstanden.
In der Kunstsammlung (K20) wird Marcs gesamter künstlerischer Weg verfolgt, der von spätimpressionistischen Werken über die Tierbilder bis zur kubistisch inspirierten, vollständigen Abstraktion verlief. Selbst auf dem Schlachtfeld zeichnete Marc noch berührende Bilder von friedlich grasenden Pferden, von Rehen und Schwalben – nicht aber das Kampfgeschehen und den Tod.
Befreundet war Marc mit dem Künstler August Macke, der schon kurz nach Kriegsbeginn fiel. Das dürfte der Zeitpunkt gewesen sein, als Marcs Sichtweise auf den Krieg sich änderte. Denn wie viele Literaten und Künstler zog er anfangs begeistert in den Krieg.
Zu sehen ist in Düsseldorf die Phalanx der Bilder von Pferden, Kühen, Katzen, Hunden oder Affen – manchmal auch mit ungewöhnlichen Perspektiven. So ist auf einem Bild ein blaues Pferd in Rückenansicht gemalt. Es schaut von einem Hügel in eine weite bunte Landschaft. «Das ist das romantische Sehnsuchtsmotiv», sagt Meyer-Büser und verweist auf die ähnliche Perspektive in Caspar David Friedrichs berühmtem Gemälde «Wanderer über dem Nebelmeer».
Frauenakte, die den Einfluss von Paul Gauguin erkennen lassen sowie die abstrakten Kompositionen, die als letzte Gemälde Marcs entstanden und in denen Tiere immer mehr in den Hintergrund rückten, komplettieren die Ausstellung.
Schon 1913 bewirkte eine Reise Marcs in das politisch zerrissene Südtirol, dass sich die ehemals harmonischen Landschaftsvisionen zu dystopischen Szenerien mit einsamen, ausgemergelten Tierkreaturen verkehrten. Auf einem Gemälde ist das gelbe Pferd nun nicht mehr das stolze muskulöse Tier, sondern ein Klepper, dem die Rippen hervorstehen.
«Er hat tatsächlich etwas, was den Menschen ins Herz trifft», sagt Meyer-Büser. Der Titel der Ausstellung «Die Suche nach einer besseren Welt» treffe auch ein aktuelles Zeitgeistthema – «ein Gefühl, was in der Luft liegt» und die Sehnsucht nach einem Ort der Harmonie und der Ruhe. Auch Marc sei damals auf dieser Suche gewesen. «Die Menschen waren überwältigt von den ganzen Neuerungen, die es in der Industrialisierung und Technik gab. Und man hat keinen Ort gefunden für sich.»
Franz Marcs Werk umgeben bis heute ungelöste Geheimnisse. Denn seine Kunst steht exemplarisch auch für den Kunstraub des Nazi-Regimes. So werden in der Ausstellung auch zwei Grafiken aus dem spektakulären Kunstfund Gurlitt gezeigt. Die Werke waren 1937 als «entartet» aus Museen beschlagnahmt worden. Cornelius Gurlitt hatte von seinem Vater, dem NS-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, eine grosse Sammlung geerbt, die 2012 in München entdeckt worden war.
Auch das von der Romantik inspirierte Bild «Blaues Pferd II» mit der Rückenansicht eines Pferdes wurde 1937 von den Nazis aus einem Museum entfernt. Der grösste Mythos aber rankt sich bis heute um Marcs «Der Turm der blauen Pferde», das seit 1945 verschollen ist.
Dieses Werk wurde 1937 in der Feme-Ausstellung «Entartete Kunst» in München gezeigt und geriet in den Besitz von Reichsmarschall Hermann Göring, der es gegen Bilder Alter Meister tauschen wollte. Doch in den Wirren der letzten Kriegstage verlor sich jede Spur. Wie das berühmte Bernsteinzimmer wird es bis heute gesucht. Geblieben sind lediglich einige kolorierte grafische Vorarbeiten von Marc. Diese vermitteln in Düsseldorf zumindest eine Vorstellung von dem Schlüsselwerk des Expressionismus.
Die Ausstellung «Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt» ist vom 12. September bis zum 24. Januar 2027 in Düsseldorf zu sehen. Anschliessend wird sie vom 26. Februar bis 4. Juli 2027 im Kunstmuseum Bern gezeigt.














