Schwach in Thüringen: Grüne noch zu sehr «Grossstadtpartei»?

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Deutschland,

Als Parteichefs waren Robert Habeck und Annalena Baerbock bis jetzt erfolgsverwöhnt. Aber an 5,2 Prozent in Thüringen gibt es nicht viel schönzureden. Wie gehen sie damit um?

Die Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck vor Beratungen über das Ergebnis der Thüringer Landtagswahl. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Die Grünen-Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck vor Beratungen über das Ergebnis der Thüringer Landtagswahl. Foto: Kay Nietfeld/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach der für die Grünen enttäuschenden Wahl in Thüringen will die Partei noch stärker gegen ihr Image als Öko-Partei für Grossstädter vorgehen.

«Wir haben es offensichtlich nicht geschafft, wirklich die Breite der Gesellschaft gerade auch in strukturschwachen Regionen zu erreichen», sagte die Vorsitzende Annalena Baerbock am Montag in Berlin. «Daran werden wir weiter arbeiten.»

Die Grünen wollten über ihre Kernthemen hinaus etwa die Versorgung auf dem Land stärker in den Mittelpunkt zu stellen. «Der Plan ist, weiter gerade in diesen schwierigen ländlichen Räumen unterwegs zu sein», sagte auch Co-Parteichef Robert Habeck.

Seit die beiden vor knapp zwei Jahren an die Bundesspitze der Grünen gewählt wurden, haben die Grünen in jeder Landtagswahl und in der Europawahl zugelegt - in Thüringen verloren sie einen halben Prozentpunkt und landeten nach vorläufigen amtlichen Zahlen bei 5,2 Prozent. «Nirgendwo steht geschrieben, dass der Wind immer nur von hinten kommt», sagte Habeck.

Den Grünen sei es nicht gelungen, ihr Kernthema Klimaschutz «als gemeinschaftliches Thema für die Breite der Gesellschaft mehrheitsfähig zu machen», sagte er. Zudem habe die Botschaft der Partei, sie wolle die Gesellschaft zusammenführen und Bündnisse schmieden, in Thüringen nicht gezogen: «Keiner wollte ein Bündnis haben. Alle wollten nur harte Sprüche.» Habeck und Baerbock setzen darauf, keine Milieupartei zu sein, sondern in der Mitte der Gesellschaft als «Bündnispartei» zu punkten.

Ihre Probleme in Thüringen erklären die Grünen auch damit, dass es dort wenig grössere Städte gibt - denn dort schneiden sie in der Regel besser ab. Spitzenkandidatin Anja Siegesmund erklärte, dass die Partei in den Städten gewonnen, auf dem Land dagegen verloren habe. Das Ergebnis sei eine «Denksportaufgabe». Es gelte, die Verknüpfung von Klimaschutz und sozialer Frage deutlicher zu machen, sagte sie.

Vom Kernthema Klimaschutz wollten und könnten die Grünen nicht abrücken, sagte Habeck. Sie seien eigentlich schon lange «sehr breit» aufgestellt, etwa auch in der Wirtschaftspolitik. «Aber die Arbeit, auch die Sichtbarkeit in anderen Kompetenzen zu verbreitern, ist schon lange im Gang und soll sicherlich verstärkt werden.» Umfragen hatten ergeben, dass den Grünen abseits des Klima- und Umweltschutzes in Thüringen kaum Kompetenz zugeschrieben wurde.

Auf Nachfragen über ein mögliches Ende des Höhenfluges der Grünen in Umfragen reagierte Habeck abwehrend. «Diese Umfragenhuberei» mache «Politik letztlich irre», sagte er. Der Erfolg der Grünen bemesse sich nicht an tages- oder wochenaktuellen Umfragen.

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