Retter-Frust: Junge sehen die «Berge als Spielplatz»
Schön inszenierte Social-Media-Videos locken Jugendliche auf Bergtouren. Fehlende Planung und Selbstüberschätzung enden oft mit einem Einsatz der Bergrettung.

Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr junge Menschen gehen auf Bergtouren, die sie auf Social Media gesehen haben.
- Dabei handeln viele leichtsinnig und bereiten sich nicht ausreichend auf die Tour vor.
- Dies führt regelmässig zu Einsätzen der Bergrettung.
Die Wandersaison hat kaum begonnen, doch die Bergretter arbeiten bereits auf Hochtouren. Nicht nur in der Schweiz, auch in Österreich. Ein Bergrettungsdienst in Tirol hatte bereits rund 30 Einsätze.
Bei einem Grossteil der geretteten Personen handelt es sich um junge, unerfahrene Berggänger. Oft sind es Freundesgruppen, die durch Social-Media-Videos auf die Bergtour aufmerksam geworden sind.
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Anstatt sich ausreichend auf die Tour vorzubereiten, starten die jungen Menschen oftmals blauäugig und planlos auf den Ausflug. Das kann leicht zu Hilflosigkeit führen und endet oftmals mit einem Anruf an die Bergrettung, wie die «Kronen Zeitung» berichtet.

«Sie sind über die sozialen Medien auf Touren gestossen und sehen die Berge als Spielplatz», sagt Robin Lutnig zur Zeitung. Er ist Chef der Bergrettung Ehrwald, einem Rettungsdienst in Tirol, der oft auch an der Zugspitze im Einsatz ist.
«Je extremer eine Tour zu sein scheint, desto lieber haben sie es»
Von Ehrwald (Ö) aus führt nämlich eine beliebte Route auf die Zugspitze, die mit 2962 Metern der höchste Berg Deutschlands ist. Auch deshalb ist die Zugspitze ein begehrtes Ziel unter Berggängern und lockt auch viele der sogenannten «Pseudoalpinisten» an.
«Je extremer eine Tour zu sein scheint, desto lieber haben sie es», so Lutnig. Das, was in den Videos im Internet gezeigt werde, unterscheide sich oftmals stark von der Realität.
Die meist unter 20-Jährigen seien in der Regel sogar gut ausgerüstet und konditionell auf der Höhe. Dies alleine reiche jedoch nicht aus: «Es fehlt ihnen jede Erfahrung und jedes Gespür für die Berge», sagt Lutnig gegenüber der Zeitung.
«Dann weinen sie Rotz und Wasser und schlagen Alarm»
Auch die Stellvertreterin von Lutnig, Regina Poberschnigg weiss, wie unüberlegt manche Menschen handeln. Viele würden nicht bedenken, dass auch der Rückweg noch absolviert werden muss.
In solchen Fällen fehle häufig die Kraft für den Rückweg. «Sie geraten in die Dunkelheit und in Panik. Dann weinen sie Rotz und Wasser und schlagen Alarm», so Poberschnigg.
Deshalb versucht die Bergrettung Ehrwald, auf Instagram zu sensibilisieren und schreibt: «Um solche Einsätze zu vermeiden, appellieren wir stark an den Hausverstand und an das umfangreiche Informieren über solche Touren.»

















